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Kennt auch dich und hat dich lieb
Guten Morgen, liebe Hörerin, guten Morgen, lieber Hörer,das ist bezeichnend für den so sagen wir. Was der gesagt hat, was die getan hat, das ist doch ganz bezeichnend.
So ist der eben. Wenn wir so reden, ist das keine Auszeichnung für den anderen, kein Kompliment. Wir legen unsere Maßstäbe an und urteilen. Wir machen uns ein Bild. Unser Bild und sagen, das ist doch bezeichnend für den. Wechseln wir die Perspektive. Was aus unserer Sicht so klar auf der Hand liegt, könnte aus dem Blickwinkel unseres Gegenübers anders aussehen. Da fühle ich mich ganz schön verzeichnet. Das Bild, was du dir von mir machst das soll ich sein? Der Maßstab stimmt nicht. Der gehört zurecht gerückt. Verzeichnet, verkannt.
Dagegen die Perspektive der Bibel. Gott verzeichnet nichts. Das kennzeichnet ihn. Das zeichnet ihn aus. Seinem Blick hält keine Fassade und kein Vorurteil stand. Er kennt mich. Kennt auch dich und hat dich lieb, heißt es in einem alten Kirchenlied. Wer von Gott angesehen wird, wird zu Ansehen gebracht, wie immer er auch vom Leben gezeichnet ist. Die Geschichten der Bibel sind voll davon. Mich fasziniert immer wieder die Geschichte vom Zöllner Zachäus. Jericho vor 2000 Jahren. Jericho, die älteste Stadt der Welt. Damals ein Treffpunkt des Handels und des Schmuggels. Ein kleines Tor zur Welt mit allem, was dazu gehörte, also auch mit Zollämtern und Oberzollämtern und den entsprechenden Bediensteten. Das waren allerdings keine bezahlten Beamte. Eher kleine Geschäftemacher, die für die Rechnung der römischen Besatzungsmacht und für die eigenen Taschen arbeiteten. Bezeichnenderweise machte man einen Bogen um sie. Im gesellschaftlichen Verkehr wurden sie geschnitten. So auch Zachäus. Eines Tages aber begibt er sich unter die Leute. Die Neugier treibt ihn. Jesus kommt nach Jericho. Die Menge gafft.
Zachäus aber sieht nichts, so sehr er seinen Hals reckt und sich auf die Zehenspitzen stellt. Er ist zu klein. Ein kleiner Mann aus der letzten Reihe. Er sieht nur Schultern und bleibt Zaungast. Er machte das Beste daraus, kletterte auf einen Baum und sieht dem Treiben aus der zweiten Reihe zu, gut getarnt vom Blattwerk. Dann geschieht das Unglaubliche. Jesus bleibt stehen, sein Blick trifft den Mann aus der letzten Reihe, oben auf dem Baum. Die Blätter verbergen nichts mehr. Zachäus wird mit Namen angesprochen: Zachäus, steig schleunigst herunter, denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.
Ich kann mir die Verblüffung der Leute gut vorstellen, auch die Verblüffung des Zachäus. Der Mann ohne Ansehen wird von Jesus angesehen und mit seinem Namen angesprochen. Kennt auch dich und hat dich lieb.
Der kleine Steuereinnehmer, der bisher die Leute ausgenommen hat, wird von Jesus angenommen. Er kommt zu ihm nach Hause und stellt sich damit vor allen Leuten auf seine Seite. Solche Annahme bleibt nicht folgenlos. Zachäus macht reinen Tisch: Herr, ich verspreche dir, ich werde die Hälfte meines Besitzes den Armen geben. Und wenn ich jemanden betrogen habe, so will ich ihm das Vierfache zurückgeben. Dass sich ein Mensch so ändern kann wer hätte das gedacht?
Kennt auch dich und hat dich lieb
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