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Gute-Laune-Menschen
Sind sie nicht schrecklich? Die Menschen mit permanent guter Laune. Menschen, die immer witzig sind und alles toll finden, egal, was sie anpacken. Die jeden Tag schon
gespannt auf den nächsten sind, konzentriert, kreativ und mitreißend. Grübelei, Zweifel und Trauer scheint es in ihrem Leben nicht zu geben. Sie lieben das Leben und ihre Arbeit und alles, was dazu gehört.
Manchmal geht ihre ständige Begeisterung ihren Mitmenschen einfach nur auf die Nerven. Zum Beispiel der amerikanischen Wissenschaftlerin Kay Redfield Jamison. Als Professorin für Psychiatrie hat sie über die Gute-Laune-Menschen kürzlich ein Buch geschrieben. Sie rechnet mit acht bis zehn Prozent Enthusiasten in der Bevölkerung. Kay Redfield Jamison zählt in ihrem Buch die Schwierigkeiten auf, die gerade die chronisch Begeisterten mit ihrer Umwelt haben.
Denn die meisten Menschen haben einfach keine gute Laune. Schon gar nicht ständig, sondern eher selten. Und sie wollen auch nicht ständig von der Überschwänglichkeit eines anderen umgeben sein. Enthusiasten machen anderen Minderwertigkeits-gefühle. Viel vertrauter ist den meisten Menschen Melancholie, Genervtsein und Brummeligkeit, und ehrlich gesagt, auch lieber. Fröhlichkeit und Begeisterung ist also eher etwas Besonderes. Gesünder und normaler ist es anscheinend doch eher, den eigenen Gefühlen ihren eigenen Lauf zu lassen, statt krampfhaft dem Supergefühl hinterherzurennen.
Übrigens: Mit einem weiteren Tabu unserer Zeit brach die US-Psychiaterin Kay Redfield Jamison, als sie als Autorität auf dem Gebiet der manischen Depression sich selbst zu dieser Krankheit bekannte. Sie beschreibt, wie sich ihr eigener Enthusiasmus irgendwann bis zur Manie steigerte. Lange wollte sie ihre Krankheit nicht wahrhaben. Nachdem sie als Professorin in Kalifornien gelandet war und sich einige Monate wunderbar und sehr produktiv gefühlt hatte, war sie in eine wilde Psychose geschlittert, wie sie selbst berichtet. Ihr Psycho-Coming-Out hat keineswegs ihrer Karriere geschadet, im Gegenteil, vielleicht ist sie so gut in ihrem Bereich, weil sie einfach weiß, worum es geht. Und ihr offener Umgang mit der Krankheit ist nach eigener Aussage - ihren Kollegen und Patienten eher angenehm. Im 1. Korintherbrief fordert uns der Apostel Paulus auf, die eigenen Maßstäbe noch einmal neu zu überdenken. Im Lichte des Evangeliums erscheint manches töricht, was vorher weise war, und manches wirklich stark, was vorher als schwach verachtet wurde, meint er dort.
In Christus Jesus können wir es schaffen, uns aus unseren übertriebenen Selbstansprüchen zu lösen. Denn sie versklaven uns nur, statt uns wirklich weiterzubringen. Meint Paulus.
Wenn wir zugeben, dass ein Leben in ständiger Begeisterung nicht nur unrealistisch, sondern auch wenig erstrebenswert ist, tun wir wahrscheinlich einen großen Schritt in die richtige Richtung.Wenn wir es schaffen, unsere Krankheiten und Schwächen nicht mehr krampfhaft zu verstecken, sondern uns selbst im Ganzen anzunehmen, kann wahr werden, was Paulus beschreibt: Dass das vermeintlich Schwache zu unserer eigentlichen Stärke wird. Klingt nach einem ganzen Erdrutsch, der da ins Rollen kommen soll. Das alles könnte dann schon wieder schlechte Laune machen. Aber die kann uns jetzt wenigstens keiner mehr nehmen.
Gute-Laune-Menschen
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