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Jesus lebt in Indien
Jesus lebte in Indien, lautete der Titel eines ziemlich zerknautschten Taschenbuches mit Eselsohren. Als Schülerin hatte ich es mir in den 80ern in der Stadtbibliothek
ausgeliehen. Die bunten Bilder vom Grab Jesu in Indien und die Auflistung seiner leiblichen Nachkommen verwirrten und faszinierten mich. Was, wenn Jesus wirklich gar nicht am Kreuz gestorben ist, sondern nur scheintot vom Kreuz abgenommen wurde. Wenn die Jüngerinnen ihn dann gesund gepflegt hätten und er nach Indien geflohen wäre, um dort Frau und Kinder zu haben, ja, eine ganze Familie? Was wäre dann? Die Geschichte vom Grab Jesu in Indien taucht über die Jahrzehnte immer wieder auf. Kürzlich hat sogar das ZDF eine neuere Reportage über das Grab Jesu und die Familie Jesu gesendet, deren jüngste Nachkommen bis heute das sogenannte Jesusgrab als Heiligtum hüten.
Jesus lebte in Indien, und wenn es tatsächlich so gewesen wäre? Dann würden sich sicherlich alle freuen, die Ehrfurcht vor dem Kulturerbe Indiens haben und Jesus gerne damit verbunden sähen. Auch alle, die in Jesu Lehre Verbindungen zum Buddhismus sehen. Auch alle, die das Zölibat ablehnen. Und die, denen Jesu Menschsein wichtiger ist als seine Göttlichkeit. Aber die Auferstehung, die hätte dann wohl auch nicht mehr statt gefunden. Und auch keine Erlösung: Denn aus dem Gottessohn, der freiwillig ans Kreuz ging und damit für die Menschen ein für allemal Versöhnung erwirkte, wäre ein sympathischer exotischer Religionslehrer geworden. Der dann, wenn man ehrlich ist, eigentlich auch nicht weiter große Wellen schlägt.
Aber gerade das hat Jesus Christus, der Auferstandene, ja eben getan, nämlich große Wellen geschlagen. Und die sind sogar belegt, in den Berichten der Glaubenszeugen, wie wir sie nach 2000 Jahren in der Bibel wiederfinden. Wir haben kein Jesusvideo, das uns zeigt, wie der Auferstandene aussah. Aber wir finden die intensiven Berichte der unterschiedlichsten Menschen, denen der Auferstandene in höchst mitreißender Form erschienen ist. Dass diese Menschen tatsächlich berührt und bewegt wurden, das lässt sich historisch nachvollziehen in seiner Konsequenz bis heute. Die ersten Zeugen waren es nämlich, die gegen starke Widerstände die Botschaft seiner Auferstehung öffentlich verkündeten. Keine Massenhysterie, sondern einzelne, die so ihre Angst überwanden und mit der Verkündigung der Auferstehung im gesamten Mittelmeerraum eine neue Religion begründeten. Das damals Geschehene sprengt unsere Formate. Es lässt sich nicht quadratisch praktisch in die Tasche stecken, sondern fordert unsere ganze Aufmerksamkeit.
Und so hängen wir Christen an der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Und an den Osterberichten. Nicht, weil wir so anfällig sind für Ammenmärchen, sondern weil wir bis heute etwas von den Wellen spüren, die der Auferstandene damals bei den Menschen in seinem Umkreis geschlagen hat. Und weil wir selbst die tröstliche Nähe des Auferstandenen erfahren, die mehr ist als nur ein verlassenes Grab.
Jesus lebt in Indien
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