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Seele in Aspik
Seele in Aspik so lautet der Titel einer Ausstellung, die zur Zeit in Wuppertal vorbereitet wird. Die Künstler sind Menschen, die am Rand leben. Besucher des Cafes
Berlin, einer Anlaufstelle für sozial Benachteiligte. Gemeinsam mit dem Cafe und den Wuppertaler Bühnen hat die Agentur iussa und ufermann. Kultur wirkt. das Projekt iniitiert. Die Teilnehmer kommen ihrer Seele auf die Spur, finden Symbole für ihr Leben und versenken diese schließlich in Aspik einer Klebstoffmasse, die getrocknet wie Acryl aussieht. Einer der Mitwirkenden ist Goran, er kommt aus Serbien und ist 34 Jahre alt. Er will einen Hundehaufen einzuschließen, einen Scherzartikel der fünften Jahreszeit. O-Ton: Ja, das war meine erste Assoziation. Deutschland fand ich sehr scheiße.
Damals als er aus dem Kosovo Krieg desertiert ist. Zu Fuß über die Grenze, mit falschem Paß. Als er gezwungen war im Untergrund zu leben, illegal, mit kriminellen Landsleuten. Mittlerweile ist Goran eingebürgert, aber noch immer muß er sich regelmäßig bei den Behörden melden. Deshalb kommt auf jeden Fall noch ein Brett dazu.
O-Ton: Es gibt ein ähnliches Brett und das schnalle ich mir immer vor den Kopf und geh dann damit zu den deutschen Behörden, wenn ich trotzig bin.
Den Hundehaufen, die Deutschlandfahne und das Brett will er nun im Rahmen der Kunstaktion einschließen, in die klebrige, durchsichtige Masse.
O-Ton: Bei vielen von uns ist das so, dass die Seele nicht unversehrt geblieben ist, sondern verletzt wurde, Schrammen bekommen hat,
erklärt auch Bianka, die zarte 59 jährige Sozialpädagogin. Seit vielen Jahren arbeitslos. Einen zerbrochenen Schaschlikspieß will sie in Aspik legen. Der Stachel Symbol für ihren seelischen Schmerz. Aber auch für die Stacheln, die ihre Seele ausgebildet hat. Dazu eine Handtasche. Gefüllt mit Murmeln. Einem Geschenk ihrer Großmutter, die für sie als Kind so unglaublich wichtig war, Liebe, Wärme und Nähe bedeutete. Doch dann kam die Flucht in den Westen. Der Kontakt zur Oma riß ab. Zurück blieb ein tief sitzender Schmerz. Was ihr im Leben hilft, ist ihr Glaube. Deshalb wird sie auch einen Bethlehem Stern einschließen, in diese galleertartige Masse.
O-Ton Der Glaube ist für mich sehr wichtig. Das bedeutet, dass ich im Gebet zu Gott gehen kann und ihm alles sagen kann, was ich auf dem Herzen habe. Er bedeutet Halt für mich. Eigentlich ist das das einzige, was mir in solchen Situationen hilft
Goran, dem Serben, geht es nicht anders. Erstaunlich. Auch ihm ist Gott nahe gekommen. Für ihn ist Gott der einzige, der bleibt und wirklich belastbar ist.
O-Ton: Die Beziehung zu Gott wird immer, ja immer grösser eigentlich. Und ich konnte ja nicht die Menschen mit allen Dingen belasten, die ich denn irgendwo in mir trage. Das hält kein Mensch alleine aus und ich hab dann festgestellt, dass auf dem Weg in die Genesung oder ins Gleichgewicht, irgendwo dann ist das dann eine Entlastung, wenn es ein höhere Macht gibt, irgendetwas über mir.
Die Objekte stehen nicht isoliert, sondern sind eingebunden in die Lebensgeschichten der Mitwirkenden. Zu hören sind diese über Kopfhörer. Präsentiert wird die Ausstellung ab 10. März im Wuppertaler Schauspielhaus. Und das aus gutem Grund. Geht es doch auch um den Dialog zwischen dem etablierten Kunstbetrieb und der Kunst am Rand unserer Gesellschaft, in der Gott eine erstaunlich große Rolle spielt. Für das Establishment eine Möglichkeit Gott zu begegnen. Und wie immer ist er da, wo man ihn nicht vermutet.
Seele in Aspik
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