| |
Morgenandachtsnutzen
Letztens schrieb mir ein Hörer von dem großen Nutzen, den ihm meine Morgenandacht mal gebracht hatte. Er war auf dem Weg zur Schule, in der er lehrt und hörte
die Morgenandacht im Radio, als ihn die Polizei herauswinkte. Da stand er nun in der langen Reihe derer, die sich nach Weiberfastnacht einer Restalkoholkontrolle unterziehen sollten.
Ins Röhrchen pusten musste er aber nicht, denn er wies den freundlichen Polizeibeamten darauf hin, dass er gerade die Morgenandacht im WDR höre. Der steckte gleich ungläubig den Kopf in sein Auto und rief dann seinem Kollegen zu: Eh, hier ist einer, der hört tatsächlich Andacht im Radio! Der Kollege rief gleich zurück: Lass ihn losfahren! und so kam mein treuer Hörer noch rechtzeitig zu seinem Unterricht. Er hat mich gebeten, falls ich die Geschichte mal erzählen sollte, unbedingt zu erwähnen, dass er stocknüchtern gewesen sei.
Ich weiß nun nicht, warum sie diese Andacht hören. Viele lassen sich morgens wohl lieber von einer ruhigen Stimme wecken, als von schrillen Werbejingles und unsere Morgenandachten werden ja praktisch und zeitnah an den Nachrichten gesendet. Natürlich wird da schon manch kostbarer Gedanke im Röcheln der Kaffeemaschine oder unter dem Brummen des Rasierapparates untergegangen sein. Ausführlich und in angenehmer Atmosphäre können Sie aber den lebensdienlichen christlichen Gedanken nachgehen in einer Veranstaltung, die regelmäßig zu angenehmer Zeit auch ganz in ihrer Nähe stattfindet. Der Sonntagsgottesdienst.
Tun sie sich und ihrer alltagsgeplagten Seele etwas Gutes. Es ist von Gott selbst schon seit alters her so eingerichtet, dass jeder siebte Tag ein Ruhetag sein soll. Nun ist auch langes Ausschlafen eine sehr verlockende Wochenendbeschäftigung, aber der Schöpfer des Lebens hat beim Ruhetag an mehr gedacht. Das geht mehr in die Richtung: Zur Ruhe kommen, sich selbst wiederfinden, die Kraft wiederfinden, die eben aus der Ruhe kommt. Manch einer stöhnt ja über langweilige Gottesdienste, in denen eigentlich nichts los ist. Aber actionorientierte Events und betäubende Ablenkungen gibt es schon genug. Orte der Stille, wo ich über mich und mein Leben nachdenken kann, wo ich einmal nicht gefordert und aufgewühlt werde, aber wo ich stattdessen zu mir selbst kommen kann, die sind selten geworden.
Wer einmal in Taize gewesen ist, wo Tausende von Jugendlichen jedes Jahr nicht mehr tun, als miteinander beten und einfache Lieder singen, der wird nicht mehr so leicht glauben wollen, dass unsere Welt ausschließlich nach den Prinzipien: Immer schneller, immer greller, immer was neues, immer mehr funktionieren kann. Gottes Schöpfung gipfelt übrigens nicht in der Erschaffung des Menschen. Der letzte Schöpfungstag ist der Ruhetag.
Entdecken Sie ihn ganz neu für sich. Er ist etwas von dem Guten, das Gott für ihr Leben vorbereitet hat. Wie las ich es neulich auf einem Autoaufkleber: Wir sehen uns
im Gottesdienst.
Morgenandachtsnutzen
|