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Pappa kann alles
Da mein ältester Sohn schon als kleines Kerlchen bemerkenswert schlau war, hab ich ihn in einem Schachverein angemeldet. Und in einem Sportverein. Karate für die körperliche
Ertüchtigung und Schach für den Geist: Das schien mir eine gute Mischung, um sich sowohl in der Schule, als auch auf dem Schulhof durchsetzen zu können. Der Schachverein hatte eine engagierte Jugendabteilung, traf sich allerdings im Hinterzimmer einer verräucherten Kneipe.
Die Rolle des Vaters, der seinen damals etwa 10 jährigen Sohn abends aus einer Kneipe holt, fand ich schon kurios, aber das waren ja nur Äußerlichkeiten. Einmal lockte mich der Schachtrainer zu einem Spiel und ich war nicht wenig stolz darauf, dass ich ihn matt setzen konnte. Erwartungsfroh sah ich zu meinem Kleinen, der das ganze interessiert beobachtet hatte, aber der war völlig unbeeindruckt. Das hat mich etwas irritiert, bis mir bewusst wurde, dass ich in seinem Alter auch dachte, mein Pappa kann alles.
Spätestens in der Pubertät machen solche Vorurteile ja ganz anderen Einschätzungen Platz, aber als Kind hatte ich immer volles Vertrauen zu meinem Vater. Ich wäre nie auf den Gedanken gekommen mich zu fürchten, wenn mein Vater dabei war. Selbst dann nicht, wenn sich die ungeliebten Wanderungen durch den bayrischen Wald bis in die Dunkelheit hinzogen. Pappas Hand war da, mehr musste ich nicht wissen. So ein Urvertrauen ist heute alles andere als selbstverständlich. Für manch einen ist es wichtiger, mit seinem Sprössling ein eher kameradschaftliches Verhältnis auf Augenhöhe zu unterhalten, als einer klassischen Vaterrolle zu entsprechen. Anderes ergibt sich zwangsläufig aus der Auflösung herkömmlicher Familienstrukturen.
Neulich fragte unser kleiner Leonard: Wieso hat mein Freund Frederic eigentlich 5 Omas und 3 Opas und ich keinen einzigen? Das eine war leicht zu beantworten, denn die Eltern meiner Frau und meine sind schon vor Jahren verstorben. Frederics Großelternhäufung hab ich erst nicht verstanden. Bis mir einfiel, dass die Großeltern meistens ja auch dann bleiben, wenn die Ehe nicht gelungen ist und der Vater oder manchmal auch die Mutter längst gewechselt hat.
Es können auch sehr bedrückende Erfahrungen sein, die man mit seinem Vater verbindet. Dann ist es wohl auch nicht mehr so ohne weiteres möglich, völlig unbefangen von Gott als Vater unser im Himmel zu reden. Die Bibel tut das allerdings und sie verbindet mit diesem Bild selten gewordene Charaktereigenschaften: Barmherzigkeit und Güte, Verlässlichkeit und Treue, Liebe eben zu uns Menschenkindern.
Solche Väter sind nach meiner Beobachtung selten und vielleicht haben Sie so einen Vater nie gehabt. Es ist aber eine zentrale Botschaft der Bibel: auf jeden von wartet so ein Vater: Der Vater unseres Herrn Jesus Christus, den wir auch unseren Vater nennen dürfen. Genauer gesagt: Pappa, oder Vati oder wie auch immer Kinder liebevoll den Menschen nennen, dem sie rückhaltlos vertrauen können. Ich hab es immer sehr geliebt, meinen leiblichen Vater bei mir zu haben und ich bin ihm bis über seinen Tod hinaus dankbar dafür, dass er es mir leichtgemacht hat durch sein Wesen hindurch meinen Vater im Himmel kennen zu lernen. Keinen Kumpel und viel mehr, als einen Freund: Ein Vater eben, an dessen Hand ich mich auch als Älterer ebenso geborgen fühle, wie als Kind an der Hand meines leiblichen Vaters.
Pappa kann alles
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