Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

27.02.06, 5.56 Uhr, Wolfram Krebs

Rosenmontag

Heute ist Rosenmontag. Das ist zwar im eigentlichen Sinne kein kirchlicher Feiertag, aber hier am Rhein ist die berühmte fünfte Jahreszeit womöglich wichtiger, als

Weihnachten und Ostern zusammen. Zumindest scheint mir das so.

Im vorigen Jahr rief mich eine Journalistin an und fragte mich, wie wir als Kirchengemeinde denn den Karneval feiern würden und welche der schönen Karnevalslieder mir persönlich die liebsten wären. Da war ich ungewohnt sprachlos und da das ein Interview war, das live gesendet wurde, entstand eine irritierende Sendepause.

Ich hab mich dann mit ein paar schwachen Notformulierungen gerettet in dem Sinne, dass eher pietistisch geprägte evangelische Gemeinden da nicht wirklich kompetent wären und man persönlich wohl in den Karneval hineingeboren sein müsse, um da eigene Vorlieben entwickeln zu können. Sie hat dann nicht weitergefragt und das war mir ganz lieb, denn die ganze Wahrheit hätte ihre rheinische Frohnatur wohl sehr erschüttert. Meine Gemeinde feiert nämlich überhaupt keinen Karneval, sie ist sogar jahrelang vor den tollen Tagen ins Bergische Land geflohen.

Und meine persönliche karnevalistische Urerfahrung ist eher trostlos. Da wurde ich als Kind in meiner Wuppertaler Heimat von einem Freund zu einer Karnevalsfete eingeladen. Der war aus Düsseldorf zugezogenen und wohnte in einem Haus, an dem der Rosenmontagszug vorbeikam. Wir saßen mit roten Pappnasen geschmückt am Fenster und betrachteten die vielleicht zehn von Treckern gezogenen Wagen, hinter denen die Müllabfuhr ihren Dienst versah. Ab und an rief eine der Begleitpersonen laut „Wuppdika“ und am meisten hat mich beeindruckt, dass wertvolle Bonbons einfach auf die Straße geworfen wurden. Wirkliche Begeisterung hat sich mir da nicht vermittelt und mein Düsseldorfer Freund hatte wohl auch etwas ganz anderes erwartet.

Nichts gegen muntere Volksfeste und ausgelassene Feiern. So dröge, wie vor vielen Jahren in Wuppertal muß es ja nicht sein. Aber wenn der Spaß jedes Maß verliert, ist das überhaupt nicht mehr lustig. Nur die wenigsten hätten wohl Freude daran, sich nach dem fünfundzwanzigsten Kölsch selbst zu begegnen und wenn am Aschermittwoch nicht nur die tollen Tage vorbei sind, sondern auch die Ehe und die Selbstachtung gebrochen sind, dann hat das mit Spaß an der Freud überhaupt nichts mehr zu tun.

Liebe und Freude sind auch die Grundstimmungen des Reiches Gottes und bei der Beschreibung der Ewigkeit ist im Neuen Testament viel von opulenten Gastmählern und Hochzeiten die Rede. Aschermittwoch muß das nicht alles vorbei sein, obwohl hier die Fastenzeit beginnt, mit der sich viele Christen auf das Osterfest vorbereiten. Übrigens auch evangelische, denn Fasten bedeutet mehr, als seine Figurprobleme in den Griff zu bekommen.

„Lohnender Verzicht“ heißt hier ein gutgewähltes Motto, denn karge Entbehrung steht dabei weniger im Vordergrund, als eine Konzentration aufs Wesentliche. Und das ist für die Bielefeld HbfChristen aller Konfessionen eben nicht nur Essen, Trinken oder regionale Volksbräuche.

Audiobeitrag Rosenmontag


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