Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.02.06, 15-16Uhr, Arnd Kulla

Masken -Psalm 139

Es ist halb 3 nachts, als Tom die Wohnungstür hinter sich zuwirft. Die Party war eigentlich richtig gut, aber er ist traurig und genervt. Warum, weiß er selber nicht.

Er zieht sich die grüne Perücke vom Kopf, streift die Schuhe ab, über die er dauernd gestolpert ist. Die Jacke lässt er einfach fallen; auch die rote Nase.
Im Bad klatscht er sich kaltes Wasser ins Gesicht.  Dann sieht er in den Spiegel. Die Schminke ist völlig verwischt. Er sieht immer noch aus wie ein Clown, aber wie einer, der stundenlang geheult hat.

„Genau“, denkt er plötzlich, „genau so geht’s mir. Zum Heulen.“ Und auf einmal weiß er, warum: sein Vater. Vor drei Monaten ist er gestorben. Die beiden hatten kein besonders tolles Verhältnis gehabt. Und Tom hat keine Träne geweint, cool wollte er bleiben; er hat fast nicht an den Vater gedacht.
Aber jetzt dämmert ihm, dass er die ganze Zeit mit einer Maske rumgerannt ist. Allen hat er etwas vorgemacht. Am meisten sich selbst. Aber jetzt, hinter der verschmierten Schminke, sieht er, wie traurig er wirklich ist. Und er merkt, wie endlich die Tränen in ihm aufsteigen.

Sprecherin:
Gott, du kennst mich ganz genau.
Ich sitze oder stehe, du weißt es;
du siehst jeden meiner Gedanken.
Ob ich gehe oder liege - du bist um mich.
Kein Wort ist auf meiner Zunge, das du nicht schon wüsstest.
Unbegreiflich ist das – und wunderbar.
Die Bibel, Psalm 139

Sprecher: Michael Birgden 

 

Audiobeitrag Masken -Psalm 139


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen