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Ehrenamt im Knast
In der Evangelischen Kirche im Rheinland arbeiten in Kirchengemeinden und diakonischen Einrichtungen schätzungsweise 111.000 Menschen ehrenamtlich. Bei immer knapper
werdenden Kassen wird es in Zukunft noch stärker auf die ankommen, die sich in ihrer Freizeit für andere einsetzen. Ich habe eine Ehrenamtliche kennen gelernt, deren Tätigkeit nicht alltäglich ist. Sie arbeitet im Evangelischen Gefangenen-Fürsorge-Verein und besucht Gefangene der Justizvollzugsanstalt Düsseldorf. Margrit Püster ist Mitte fünfzig. Sie ist berufstätig und hat zwei erwachsene Kinder. Was hat sie dazu bewegt ehrenamtlich tätig zu sein?
O-Ton 1: Das hat was damit zu tun, dass meine Mutter 2000 verstorben ist. Sie war Alzheimerpatientin und ich habe nach meiner Arbeit jeden Tag mit ihr die Stunden verbracht
und mit einem Mal hab ich dann gemerkt, ich hab eine Menge Zeit.
In der JVA in Düsseldorf leben knapp 600 Menschen aus ca. 60 Nationen. Zwischen drei Monaten und vier Jahren sitzen die Häftlinge als Untersuchungs- oder Strafgefangene ein. Die meisten sind suchtkrank und sitzen wegen Drogendelikten und Beschaffungskriminalität. Auf ein Erstgespräch mit der Drogenberatung müssen sie viele Monate warten. Einen Therapieplatz zu bekommen ist schwer. Probleme die für Margrit Püster völlig neu waren. Wie unterschiedlich Lebensbedingungen und Lebensläufe sind wird ihr bei ihrer Arbeit immer wieder neu bewusst. Und das erzählt sie den Gefangenen bei der ersten Begegnung:
O-Ton 2: Ich fange eigentlich an, über mein Leben zu erzählen und da kommt eben auch immer dieser Satz vor, dass ich sehr viel Glück hatte
, dass viele Dinge etwas mit Fleiß, mit Arbeit, aber auch eben mit Glück zu tun haben. Aus diesem Bewusstsein heraus, dass es eben nicht allen Menschen so geglückt ist, so ein gutes Umfeld zu haben, würde ich gerne zeigen, dass es trotzdem Menschen draußen gibt, die sich auch für das Schicksal interessieren.
Margrit Püster begleitet Insassen z.T. ein bis zwei Jahre durch regelmäßige Besuche im Gefängnis. Hält aber auch Kontakt über die Zeit hinaus. Sie weiß, wie schwer es auch danach ist. Ohne Arbeit, ohne Geld, ohne Obdach. Damit sie nicht sofort wieder in die alten Kreise zurückkehren, ist es ihr wichtig, dass die Häftlinge sich auf die Zeit danach vorbereiten. Und das hat für Margrit Püster auch etwas mit Gott zu tun.
O-Ton 3: Gott bedeutet eigentlich für mich, dass es jemand gibt, der einem die Kraft gibt
auch mal in uns hineinzuhören
, war das jetzt gut, was ich gemacht habe oder war das schlecht.
Und nicht nur unbedingt seine Lebensgeschichte irgendwelchen anderen Zufällen zuzuschreiben, sondern, dass man es in der Hand hat.
Zum Nachdenken anregen. Zuhören. Mut machen. Das ist seit vier Jahren die Arbeit von Margrit Püster. Sie hat aber nicht das Gefühl, nur selbst etwas zu geben. Sie bekommt auch sehr viel zurück, wie kürzlich, als sie in der JVA war:
O-Ton 4: Wenn man sich sieht, die Tür geht auf
Diese Freude einfach. Und das ist auch etwas, worüber ich mich dann wieder sehr gefreut hab. Dass man durch sein bloßes Erscheinen, man hat eigentlich noch nichts getan, nur Hallo gesagt oder Guten Tag Und der jenige war gut drauf!
Ehrenamt im Knast
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