Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

13.02.06, 8.56 Uhr, Prof. Dr. Reinhard Schmidt-Rost

Nicht vom Brot allein

Wovon ernähren Sie sich heute? Von gutem Essen und Trinken. Klar. Aber das meine ich nicht: Manche Menschen nähren sich auch von einem guten Spruch.

In der Bibel steht der Satz: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.“

Leben – einfach so überleben, das kann man auch von Brot und Milch, von Wasser, Käse, Äpfeln. Aber richtig leben kann man von Nahrung allein nicht, der Mensch ist keine Maschine, die nur Betriebsstoffe braucht, um zu laufen.

Wenn der Geist eines Menschen keine Nahrung erhält, dann stirbt dieser Mensch, es verkümmert alles an ihm, was ihn zu einem Menschen gemacht hat; aber lange ehe er an geistiger Unterernährung stirbt, würde er ganz von selbst versuchen, sich Abwechslung zu schaffen, die seinen Geist beschäftigt, neugierig wie jedes kleine Kind.

Im Leben und Werden der Menschen aber gab es von vornherein genug Abwechslung. Der Mensch brauchte seinen ganzen Geist, um den Kampf ums Dasein zu bestehen, um sich gegen Tiere zu verteidigen, die viel stärker waren als er, um sich gegen Naturgewalten zu schützen und um Nahrung zu finden und zu sammeln, von der er sich ernähren konnte. Im Kampf ums Überleben hat der Mensch nach und nach gemerkt, daß sein Geist ihn überlegen macht gegenüber anderen Lebewesen.

Und er hat zu unterscheiden gelernt: Manche Einsichten sind für ihn besonders nützlich, weil sie ihm das Überleben auf der Erde erleichtern. Diese nützlichen Einsichten hat er als Sprüche gesammelt, die er sich gut merken konnte, und seinen Nachkommen überliefert – und bei diesem Sammeln und Weitergeben sind die für das Leben wichtigsten Worte als heilige Worte ausgezeichnet worden, als Worte Gottes wurden sie bewahrt und verehrt. So etwa die zehn Gebote, die Mose dem Volk Israel von Gott gebracht hat.
 Das Volk Israel hat seine Identität als Volk bis in unsere Tage bewahren können, weil es die guten Worte Gottes gesammelt und von Generation zu Generation überliefert hat. Und Worte kann man leicht aufbewahren, dazu braucht man keine Schatzkammern und keine Banksafes, nicht mal Papier, sondern ein gutes Gedächtnis und Worte, die man gut behalten kann.

Es ist also eine ganz lebendige Beobachtung, wenn die Bibel feststellt: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern sein Geist lebt von guten Worten.

Es sind einfach die wichtigsten Einsichten, die den Menschen das Überleben auf der Erde ermöglichen, die immer weitergegeben wurden und werden, damit die Menschen auf der Erde nicht aussterben. Und eine der wichtigsten ist eben genau diese: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.

Audiobeitrag Nicht vom Brot allein


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