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Wenn du mich anbetest
Worte können viel bewirken. Nicht von ungefähr ist die Auseinandersetzung zwischen Jesus und dem Teufel, die wir als die Versuchungsgeschichte kennen, ein Wortgefecht.
In der dritten Szene führt der Teufel Jesus auf einen hohen Berg, zeigt ihm die Welt, soweit das Auge reicht, und sagt zu ihm: Dies alles, die ganze Welt, will ich Dir geben, wenn Du niederfällst und mich anbetest. Die Weltherrschaft für ein paar Worte der Anbetung, was ist schon dabei?
Viel ist dabei, alles hängt daran. Es ist wie das Vorzeichen vor einer Klammer in einer Rechnung: Steht ein Plus vor der Klammer, werden alle Rechnungen in der Klammer bestätigt. Steht ein Minus vor der Klammer, so werden alle Werte in der Klammer in ihr Gegenteil verkehrt, aus Minus wird Plus, aus Plus wird Minus; alles wird auf den Kopf gestellt.
Deshalb wehrt sich Jesus gegen die List des Teufels, der sagt: Es ist doch gleichgültig, in wessen Namen du über die Welt herrschst, wenn nur du es bist, der herrscht. Aber Jesus weiß und alle Menschen wissen: Was im Namen des Teufels geschieht, ist vom Teufel - und es ist alles andere als gleichgültig, wenn die ganze Welt buchstäblich beim Teufel ist. Dann herrschen die Maßstäbe des Teufels über die Maßstäbe Gottes, dann regiert die Gewalt über die Liebe, die Vergeltung über die Vergebung, die Unbarmherzigkeit über die Barmherzigkeit, dann ist Leid gleichgültig und Menschen sind nur Verfügungsmasse der Herrschenden.
Liebe Hörerin, lieber Hörer, Der Teufel ist sich sicher, daß er die Herrschaft über die Welt vergeben kann; er herrscht über die Welt. Er sitzt fest im Sattel! Sein Wort zählt! Sein Wort wirkt ganz deutlich, ohne daß man ihn dahinter erkennen muß, wenn Menschen in Streit geraten, sich gegenseitig nur das Schlimmste zutrauen; er hat es nicht schwer, Unfrieden in die Herzen der Menschen zu säen, denn sein wirksamstes Saatgut ist die Angst, und die geht in den Herzen auf wie Brennessel und Löwenzahn auf der Wiese. Gerade dort, wo das Leben nicht durch strenge Gesetze geregelt ist, sondern große Freiräume für den einzelnen Menschen gegeben sind und die Liebe ihre Wirkung entfalten könnte, gerade dort geht die Saat der Angst leicht auf und bringt Misstrauen und Gewalt hervor, die sich als Selbstsicherung und Selbstschutz bemänteln.
Die Herrschaft über die Welt, die Jesus nach dieser Auseinandersetzung nun aber doch antritt, ist nicht von Teufels, sondern von Gottes Gnaden. Die Stimme vom Himmel, die sich bei der Taufe Jesu im Jordan vernehmen lässt: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe! kündigt keine zweite Schreckensherrschaft neben der des Teufels an; sie eröffnet eine Zeit, in der dem Teufel im Namen der Liebe öffentlich widersprochen wird. Von nun an wird die Stimme Gottes immer wieder für die Menschen Partei ergreifen, in seinem Sohn Jesus Christus hat sich Gott auf die Seite der Menschen gestellt und hilft uns gegen alles, was uns Angst macht.
Wenn du mich anbetest
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