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Familienkontakt
Es war heiss. Und so hatten sie sich das Wiedersehen nicht vorgestellt. Immerhin sie waren es, die sich auf den Weg gemacht hatten. Sie mussten zu ihm kommen, sie mussten
ihn suchen, sie : seine Mutter und seine Brüder und Schwestern. Allein das war wenn man sich nichts vormachen wollte gelinde gesagt: unerhört! Wer hat den hier wem die Ehre zu erweisen? Die Älteren dem Jüngeren etwa? Die Mutter dem Sohn? Die Brüder ihrem Bruder?
Na ja, jetzt waren sie fast da. Sie hatten -, um überhaupt losgehen zu können über ihren Ärger und ihre Kränkung hinweggesehen, die sie bei der Tatsache empfanden, dass sie sich auf den Weg zu ihm machen mussten und nicht umgekehrt.
Aber jetzt, kurz vor dem Haus, in dem er sich aufhielt, kam ihnen doch alles wieder in den Sinn und auf die aufsteigende Vorfreude ihn endlich wiederzusehen legte sich ein zornroter Schatten:
Wenn aus ihm ein einfacher Mann geworden wäre, dachte seine Mutter. Für mich ist das doch in Ordnung. Aber dann das: Wunderheiler ist er geworden. Muss das denn sein? Wunderheiler? Er war ja schon immer ein bißchen eigen - unser Jesus. Gut. Es wirkt wohl. Irgendwie macht er die Leute gesund. Aber wer weiß schon woher er das kann? Manchmal ist mir das alles unheimlich. Und außerdem also nicht, das ich übermäßig viel Wert darauf legen würde, was die Leute sagen aber ich stand auch schon besser da! Ich bin schließlich seine Mutter! Und jetzt gucken die Nachbarn schon so komisch. Und an seine Brüder und Schwestern könnte er auch mal denken nichts als Ärger haben die wegen ihm. Wunderheiler! Der macht doch immer alles um sonst, habe ich gehört. Kein Wunder, das da immer mehr Leute zu ihm kommen. Als ob wir es nicht nötig hätten. Das geht so nicht weiter: Ich finde: wir sollten langsam auch mal was von der Sache haben, wir sind schließlich seine Familie.
Sprecher: Mk.3,31 - 35
Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen Und schickten zu ihm und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er sah ringsrum auf die, die um ihn im Kreis saßen und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.
Autor: Ihr stockte der Atem. So, hatten sie sich das wirklich nicht vorgestellt. Gottes Willen tun, hieß ja seine Nächsten zu lieben wie sich selbst. Gut und schön. Aber: Sie waren seine Familie.
Sie verstand das alles nicht. Enttäuscht wollte sie wieder gehen, da schoss ihr ein Gedanke durch den Kopf und blieb in ihrem Herz: Ich liebe ihn doch. Und wenn die Liebe das Wichtigste ist, dann ist sie stärker als Blut, wichtiger als, oder vielmehr größer als wir: Vater, Mutter, Kinder.
Nicht glücklich, aber beruhigt, holt sie tief Luft.
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