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Norbert und das Glück
Norbert staunte. Er begann sich ein wenig auf den Tag zu freuen. Und das auf dem Weg zur Arbeit. Das war höchst ungewöhnlich. Fand Norbert. Für ihn und überhaupt. Ihm
war kalt und für gewöhnlich dachte Norbert anders.
Er dachte für gewöhnlich um diese Uhrzeit eher um es in einem Farbton zu sagen grau. Mit durchaus schwarzen Einfärbungen. Er dachte an den Regen, der auf die Scheibe seines Wagens fiel, an das blöde Gummi des Scheibenwischers und dass es schon wieder Schlieren zog. Er dachte: und wenn ich einfach weiterfahren würde. Er dachte an den Abend und gleichzeitig, wie er wohl gleich reagieren müsse bei den Kollegen. Und dabei fühlte er sich schwer und müde, getrieben und dennoch irgendwie zu schnell. Und auch daran hatte sich Norbert auch schon gewöhnt. Manchmal und in den letzten Monaten kam dies durchaus häufiger vor - manchmal kam ihm in diesem ganzen exstatischen Morgenbrei der Satz in den Sinn: Immerhin ich habe Arbeit!
Dieser Gedanke fiel sogleich mit einer solchen Schwere wie ein Anker quasi, durch ihn hindurch, um mit Wucht in seinem Fußgelenk aufzuschlagen. Und den Wagen ruckartig beschleunigte, um ihn Norbert schneller dorthin zu bringen, was sein ganzer Trost schien und sich in dem unscheinbaren Wort - immerhin - verbarg : zu seiner Arbeit. Das ist alles nicht mehr selbstverständlich, - außerdem bei den ganzen Katastrophen, wie gut, dass wir nicht an der Küste wohnen, und außerdem könnte ich mich einfach wärmer anziehen, dachte Norbert dann noch ziemlich schnell und unvermittelt, als er seinen Arbeitsweg aus besagtem Grund schon beschleunigt hatte.
So war es für gewöhnlich. Ziemlich grau, auch von innen. Wenig euphorisiert, und umhüllt von einer dankbaren Depressivität, die sich langsam aber stetig zu seiner persönlichen Weltsicht entwickelt hatte. Und sich für Norbert in einem Satz ausdrücken ließ, denn er natürlich nie sagte, aber intensiv empfand: Das Glück ist nicht für mich gemacht. Amen.
Zugegeben, auch Norbert fand es ein bißchen verrückt, dass er diesen von ihm so stark gefühlten Satz innerlich immer mit einem Amen beendete, - aber so war es nun einmal. Und es passte ja auch. Wie das mit Gott war, und ob überhaupt, und so, wusste Norbert natürlich auch nicht, und es war ihm auch nicht wirklich wichtig, aber eines schien Norbert dann doch sehr klar zu sein: Wenn überhaupt, dann hat der mich vergessen. Oder ist nicht für mich zuständig. Dieser Gott.
Denn irgendwie - da war sich Norbert sicher hingen Glück und Gott zusammen. Und weder das Glück noch Gott hatten etwas mit Norberts realexistierendem Alltag zutun. Soviel er wusste. So erlebte er es jedenfalls wie gesagt für gewöhnlich.
Und nun das. Er freute sich. Das heißt, er merkte wie er begann sich zu freuen. Nicht dass sich irgend etwas verändert hätte. Nicht dass ihm auf einmal ein besonderer Anlass eingefallen wäre. Kein Sonnenstrahl, kein Feiertag, ein süße Erinnerung. Alles war wie es war und er freute sich, ein wenig. Norbert staunte. Und faßte einen Entschluß: Die soll bleiben. Jetzt. Diese leise Freude. Warum eigentlich nicht? Ich.
Es hatte aufgehört zu regnen.
Norbert und das Glück
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