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Sohn und Vater
Abgehauen. Der ist einfach abgehauen! Mit 12, einfach weg! War ja schon immer ein bißchen eigen, der Junge. Aber jetzt. Ich mein der kann doch nicht so einfach...Scheinbar
... kann er. Abhauen. Und so fragte seine Mutter:
Sprecher: Lukas 2, 39 46 nach Gütersloher Erzählbibel
Habt ihr unseren Sohn gesehen? Den ganzen Zug von Reisenden liefen Maria und Josef entlang und fragten alle, die sie trafen. Aber niemand wußte, wo Jesus war. Erst machten sie sich noch keine großen Sorgen; Jesus war zwölf Jahre alt, längst kein kleiner Junge mehr. Sie waren auf der Rückreise vom Passafest in Jerusalem, sicherlich ging er weiter vorn zusammen mit den anderen Jungen. Doch auch als sie ganz vorn ankamen, hatte niemand ihren Sohn gesehen. Schließlich kehrten sie um, liefen zurück nach Jerusalem und suchten die ganze Stadt ab, einen Tag, zwei Tage - :
Autor: Vielleicht ist ja was passiert? Man hört ja soviel heutzutage. Ich mach´ mir Sorgen, Mensch ! Wenn er uns doch was gesagt hätte...,von Anfang an war es nicht einfach mit ihm, dachte Josef in seiner hilflos besorgten Wut. Das mit der ungeklärten Vaterschaft war ja bis jetzt nicht weiter aufgefallen, - aber schwer war es doch für ihn, Josef. Und für sein Verhältnis zu seinem Sohn Jesus, na ja, und wenn er ehrlich war - die Beziehung zu Maria war dadurch auch nicht gerade leichter geworden. Aber, im Grunde waren alle froh, daß jetzt alles wieder in ordentlichen Bahnen verlief. Auch er. Na ja, jetzt auch egal. Das Blag ist jedenfalls weg!
Sprecher: Lukas 2, 46 52 nach Güterloher Erzählbibel
Sie suchten die ganze Stadt ab, bis sie ihn am dritten Tag endlich fanden. Er saß im Tempel und hörte den Rabbinern, den Lehrern der Tora zu. Er fragte sie, was er wissen wollte, und lernte begierig was sie ihm erklärten.
Autor: Und dann sitzt der da einfach. Im Tempel. Das muß man sich mal vorstellen im Tempel. Sie waren natürlich froh, ihn wiedergefunden zu haben, Joseph wollte gerade ordentlich ausholen Strafe muß sein da dreht sich Jesus um und sagt:
Sprecher: Ich bin da, wo ich hingehöre. Warum macht ihr euch Sorgen?
Autor: Wie gelähmt ließ Josef die zum Schlag erhobene Hand sinken und war sprachlos, wütend und froh, ihn wiederzusehen.
Nicht so einfach. Mit den Vätern und Söhnen. Oder? Vater sind viele. Sohn ist jeder Mann.
Wie gesagt, Männer machen nicht so viele Worte. Schon gar nicht, wenn es um die Beziehung zu ihrem Sohn oder zu ihrem Vater geht. Sprachmauern scheinen dazwischen zu stehen. Manche Väter können nicht sprechen und von sich erzählen und wie sollten es so die Söhne lernen. Manche Väter durften nie sprechen und von sich etwas sagen, weil ihre Väter und Mütter dann Angst bekamen und ihnen sagten, sie seien keine richtigen Männer. Nur, die die das sagten die Omas und Opas - hatten gerade den Krieg überlebt und glaubten, sich Gefühle nicht leisten zu können. Nicht so einfach.
Und ich finde es eine ziemliche Kränkung für einen Vater von seinem zwölfjährigen Sohn zu hören: ich bin da, wo ich hingehöre und das ist nicht bei dir.
Nur: manchmal muß man gehen. Um zu bleiben. Bei sich zu bleiben. Ich glaube, das gilt für Söhne und Väter.
Sohn und Vater
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