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Geschändet
Er hat sie umgebracht. Er hat sie vergewaltigt und anschließend erwürgt. Sie war 16 Jahre alt. Er auch. Ich begreife das nicht. Ein 16jähriger. Und es geschieht.
Und jetzt? Wegschließen, und zwar für immer? Kopf ab? Ich kann das verstehen. Nach dem Erschrecken kommt die Trauer. Und die Wut. Und Wünsche das Opfer zu rächen. Und Angst.
Ich bin Vater eines heranwachsenden Kindes. Und natürlich bekomme ich dann auch Angst.
So etwas darf sich nicht wiederholen, höre ich dann . Die Bevölkerung unsere Kinder müssen geschützt werden. Solche Täter sollte man...
Ja, - was? Wie ist umzugehen mit einem 16jährigen Sexualstraftäter? Wegschließen für immer? Einfach nicht mehr rauslassen? Wie gesagt: nachvollziehbar. Solch ein Satz. Und. Was nun? Das Strafgesetz sagt: Täter müssen bestraft werden und wieder in die Gesellschaft eingegliedert. Das Gesetz sagt: wenn ein gefährlicher Täter krank ist, ist er nicht unschuldig, nur weil er krank ist. Aber weil er krank ist, muß man ihn behandeln. Ihn gesund machen. Das sagt das deutsche Strafgesetz.
Gott sei Dank. Denn das ist nicht selbstverständlich. In Amerika z.B. ist das anders. Da spielt die Vergeltung eine wesentliche Rolle. Die Angehörigen des Opfers können zuschauen, wenn die Todesstrafe vollzogen wird.
Hier ist das anders. In Deutschland geht es um Strafe, um Schutz und Wiedereingliederung. Es geht darum, die Bevölkerung zu schützen vor Gewalttätern. Und Gewalttäter schützen vor selbsternannten Richtern. Unser Gesetz anerkennt, dass wir nicht Gott sind. Dass wir nicht entscheiden über Leben und Tod.
Mehr noch: dass der Staat sich auch um Täter kümmern muß. Damit sie nach Möglichkeit wieder mitleben können in dieser Gesellschaft.
Und das finde ich richtig. Denn ich meine, das ist ziemlich nahe dran an dem, was Jesus sagt:
Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Das sagt er zu der wütenden Menge die sich zur Steinigung einer Täterin versammelt hat. Jesus sagt mir: Wenn du noch nie etwas falsch gemacht hast, wenn du noch nie etwas Böses gemacht hast, dann erst darfst du richten.
Für mich heißt das: der letzte Richter ist Gott.
Die Jesusgeschichte geht so weiter: Jesus schickt die Täterin fort mit dem Auftrag sich zu ändern, umzukehren.
Das will Gott: dass wir uns ändern, wenn wir Falsches tun. Und uns bewahren, uns schützen. Auch mit dem Gesetz. Und manchmal vor uns selbst.
Geschändet
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