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Beten mit dem Vater Unser
Wenn die Minister und Ministerinnen einer neuen Regierung vereidigt werden, dann ist das für mich nicht nur feierlich, sondern auch spannend: Werden Sie ihren Eid mit oder
den Bezug auf Gott sprechen? Dieses Mal waren viele überrascht: Alle Minister bis auf eine Frau haben ihrem Eid fünf kleine Worte hinzugefügt: So wahr mir Gott helfe. Manche finden das scheinheilig. Die scheren sich doch auch sonst nicht um Gott und den Glauben, sagen sie.
Ich mag darüber im letzten nicht urteilen, denn ich finde es erstmal gut, wenn Menschen, die viel Macht haben, diese fünf Worte in ihren Mund nehmen: So wahr mir Gott helfe.
Wer Macht hat egal wo, ob in der Politik, der Kirche oder der Wirtschaft steht immer in der Gefahr, den Boden unter den Füßen zu verlieren, abzuheben, seine eigenen Fähigkeiten zu überschätzen. An der Spitze ist man einsam. Nur noch wenige Menschen sagen einem wirklich die Meinung und so kommt es, dass viele, die ganz oben sind, der Versuchung erliegen: Sie können ihre Grenzen und Fehler nicht mehr realistisch sehen. Sie überschätzen ihre Möglichkeiten. Sie berauschen sich mit Macht.
Der kurze Satz: So wahr mir Gott helfe erinnert daran: unsere menschliche Macht ist begrenzt. Wir Menschen auch die allertollsten machen jeden Tag Fehler. Und wenn wir unser Leben und unsere Arbeit ohne Gott denken, vergessen wir: Niemand von uns hat sich selbst das Leben geschenkt und niemand weiß, wie lange er leben darf. Diese Kraft, die größer ist als alle Menschenmacht, ist da. Sie ist nicht zu leugnen. Wir Christen nennen sie Gott und in jedem Gebet beschreiben wir sie:
Vater Unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme. Dein Wille geschehe
Diese ersten Sätze des wohl bekanntesten Gebetes der Christen tun eigentlich nichts anderes, als daran zu erinnern, dass Gott größer ist, anders ist. Gott - ein Vater im Himmel, mit einem eigenen Reich, einem eigenen Willen für viele sind das alte Bilder, nur schwer zu akzeptieren. Für mich sagen diese Sätze auch nicht alles, was über Gott zu sagen wäre. Und vielleicht würde ich heute auch andere Worte finden, als Jesus vor damals 2000 Jahren.
Aber sie sagen mir etwas Wesentliches: Wir Menschen sehen niemals alles. Es gibt ein Reich und eine Kraft hinter den Dingen. Und es ist gut nicht nur als Minister oder Ministerin - ab und an zu überlegen: Was will ich und würde Gott das wohl auch wollen?
Beten mit dem Vater Unser
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