Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

01.02.06, 18-19 Uhr, Florian Schmitz-Kahmen

Ohne aber

In jedem Jahr werden Wörter aus dem Wörterbuch gestrichen, weil die niemand mehr versteht. Ich hätte ja auch ein Wort, dass prima gestrichen werden könnte. So

ein kleines fieses Wort, dass quasi aus dem Hinterhalt alles verdreht.

Ich meine: das kleine Wort „aber“.
Wenn es dieses Wort nicht mehr gäbe und auch niemand mehr wüsste, was es bedeutet, dann würde das die ganze Welt verändern.

Niemand könnte zum Bespiel mehr sagen: „Ich will ja keinen Streit, aber…“
Es könnte sich auch keiner mehr hinstellen und behaupten: „Natürlich will ich Gerechtigkeit in der Welt, aber…“
Und sogar mein Glaube an Gott wäre unerschütterlich. Ich könnte und würde ihm nämlich ohne „wenn und aber“ vertrauen.

Ich habe keine Ahnung, wie oft ich im Leben schon „aber“ gesagt habe. Weil zwischen dem, was ich mir wünsche, und dem, was ich an Erfahrungen gemacht habe, eine riesengroße Lücke klafft.
Wenn es also das „Aber“ mehr in unseren Wörterbüchern gestrichen würde, dann wäre alles im grünen Bereich. Wunsch und Wirklichkeit wären ein und dasselbe. Das wäre gut.
Aber – und jetzt sage ich es selbst – allein mit dem Streichen dieses Wortes aus dem Wörterbuch ist leider nichts erreicht. Denn: Es gibt nicht Gutes, außer man tut es.

Sprecher: Michael Birgden

 

Audiobeitrag Ohne aber


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen