Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

18.01.06, 12-13 Uhr, Gernot Hoersch

Alltagsengel- aus Neugier?

Ich war bei meiner Freundin Ines beim Essen. Ines wohnt am Rande des Neandertals. Das ist ein ziemlich waldreiches Tal zwischen Düsseldorf und Wuppertal. Vor ihrem

Haus ist ein kleiner Weg, der  führt zum Friedhof und wenn man weitergeht, weiter in dieses Tal.

Da saßen  wir beim Essen und inzwischen war es dunkel geworden. Als wir rausschauten, sahen wir, dass da eine alte  Frau langsam entlangging. Ines sagte gleich:  „Was macht die denn da? Die hat sich bestimmt verlaufen““.

Da habe ich gesagt: „Ja, lass sie doch. Das geht uns doch nichts an. Vielleicht  will  sie zum Friedhof .“  Ines  sagt: „Nein. Ich finde das seltsam. Ich gehe da mal hinterher.“ Das hat sie dann gemacht und ist rausgegangen. Und ich dachte nur, wie peinlich. Warum muss die immer so neugierig sein, die soll die Frau mal in Ruhe lassen.

Nach einer Zeit kam sie mit dieser alten Frau zurück
Und sagte: „Das ist Frau Niekamp. Komm zieh dich an. Wir fahren sie zurück zum  Seniorenheim. Die ist einfach falsch ausgestiegen und in die falsche Richtung gegangen. Sie dachte, sie würde zurück in die Stadt laufen.“ Dann haben wir  Frau Niekamp zurückgefahren. Und auf dem Rückweg habe ich zu Ines gesagt: „Das hast du gut gemacht.  Ich hätte sie einfach in das Tal laufen lassen.“

Manchmal ist so ein bisschen  Neugier gar nicht schlecht und besser als mit einer „Scheißegalhaltung“ durchs Leben zu laufen. Im Nachhinein fand ich Ines sehr mutig, dass sie der Frau hinterhergegangen ist.

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Alltagsengel- aus Neugier?


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