| |
Schöpferisches Chaos?
Der Turm neigt sich bedenklich zur Seite. Artikel aus der Zeitung, Zettelchen mit persönlichen Botschaften, amtliche Schreiben, Postkarten und Gebrauchsanweisungen,
alles was ich mir noch mal ansehen wollte, landet auf einem Haufen. Und der signalisiert klar und deutlich: Aufräumen. Ein Stapel für amtliches, einer für persönliches, einer der direkt im Altpapier landen wird.
Aufräumen durch Häufchenbildung. Eine Methode, die in Seminaren zum erfolgreichen Arbeiten als effektiv bewertet wird und die so alt ist, wie die Welt.
Ganz am Anfang herrschte Tohuwabohu, heißt es im zweiten Satz der Bibel. Ein Wort, das eindeutig nach Chaos klingt. Dann macht Gott selbst sich ans Sortieren. Allerdings im großen Maßstab. Trennt in Licht und Finsternis, auf eine andere Stelle kommt der Himmel, auf eine alles Trockene und auf eine dritte das Wasser, das nennt er Meer. Und es scheint so als hätte er Spaß an der Sache. Denn als einmal Grund drin ist, erschafft er Sonne und Sterne, unzählige Arten von Tieren, lässt Kraut und Gras wachsen. Und ganz am Ende, als er die ganze Arbeit gemacht hat, alles fertig ist, alles schön aufgeräumt. Da erschafft er den Menschen.
Ob das so war? So wie bei meiner Schreibtisch Ordnungsaktion? Ich weiß es nicht. Aber ich finde es so schmeichelhaft, dass Gott erst so schön aufgeräumt hat, bevor er uns geschaffen hat.
Sprecherin: Christiane Birgden
Schöpferisches Chaos?
|