Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.01.06, 8.56 Uhr, Magdalene Imig

Neophobie

Neophobie heißt eine neue Krankheit, die man speziell uns Deutschen zuordnet. Das ist die Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten, die Angst vor der Zukunft, die sich in

Dunkelheit hüllt.  Seit kurzem schreiben wir das Jahr 2006. Die vielen guten Wünsche für dieses neue Jahr sind noch nicht ganz verklungen. Eine Zeitlang schien sich die Zukunft wirklich im besten Licht und in vielen Farben präsentieren zu wollen, so dass die Hoffnung wuchs, dieses Jahr würde vielleicht doch mein bestes werden. Nun aber, nach zwei Wochen schleicht sich die Mutlosigkeit wieder in mein Herz zurück.

Früher galt mir jeder Jahresbeginn als Neuanfang mit  vielen guten Vorsätzen für ein besseres Leben. Mittlerweile aber lasse auch ich mich viel zu schnell von den  Medien ausbremsen, motte die Träume ein, halte meine Erwartungen klein, fürchte mich vor  Krankheit, vor Armut, vor dem belasteten Fleisch, vor den pestizierten Früchten und vielleicht sogar vor der Aussenluft, schließe Türen und Fenster, denn wer weiß ob ich nicht mit jedem Atemzug Gift in mich aufnehme und daran zugrunde gehe.

Diese Sorgen schnüren mir die Kehle zu. Die Angst belastet mich mehr als die tatsächlichen  Schäden, die mich in der Zukunft erwarten.

Deshalb werde ich mich nicht begrenzen lassen von düsteren Prognosen, sondern hinaustreten und die Wege dieses Jahres begehen.  Ich werde diese neue Krankheit nicht in mir zulassen, ich werde mich wehren und sie bekämpfen mit dem Vertrauen auf Gottes Kraft und auf sein Wort: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden

Jesus hat sich nicht ängstlich in seiner Schreinerei in Nazareth verkrochen, obwohl es auch damals wenig Grund zum Jubeln gab im Land, und auch nicht allzuviel Hoffnung. Jesus ist in die Zukunft hinausgeschritten und hat seinen Auftrag erfüllt.

Und jedem Anfang liegt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben hat, hat Herrmann Hesse in seinem Stufengedicht geschrieben, und so werde auch ich einen neuen Anfang wagen, werde weitergehen in diesem Jahr 2006, gespannt seine Aufgaben erwarten, werde jeden  Tag begrüßen als eine neue Möglichkeit für mich am Bau dieser Welt  weiter mitwirken zu dürfen.

Ich will daran glauben, dass Gott hinter jeder düsteren Zeitungsheadline ein kleines Hoffnungslicht anzündet mit der Zuversicht der Menschen, die sich nicht von jener Neophopie niederdrücken lassen.

Audiobeitrag Neophobie


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