Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.01.06, 5.56 Uhr, Eva Zoske-Dernóczi

Sackgassen

Ich hatte mich so gefreut. Nach einem harten und beschwerlichen Jahr sollte es nun endlich Aufwind geben. Eine neue berufliche Perspektive sollte sich bald für mich erfüllen.

Alles sah so aus, als würde es genauso klappen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Fast wäre es auch dazu gekommen, fast wäre alles nach Plan gelaufen. Fast… ich hatte innerlich schon ein bisschen gejubelt, mich schlicht weg gefreut, einfach nur gefreut.

Wenn nicht, tja… .wenn halt nicht noch was dazwischen gekommen wäre.
Das war so ernüchternd und enttäuschend. So kurz vor´m Ziel eine Absage.. Ich hätte die Wände hoch gehen können vor Wut und Enttäuschung. Mal wieder eine Sackgasse, in die ich gelaufen bin.

Aber warum nur? Warum klappt es nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe? Warum darf ich mir diesen Traum nicht erfüllen? Was soll das? Da fiel mir dieser Spruch mit den Türen ein: „Wenn eine Tür zugeht, dann werden sich bestimmt bald andere auftun und neue Wege eröffnen“ Diesen Spruch hab ich sicher schon dem ein oder anderen gesagt. Weil man anderen Menschen Mut machen möchte, damit sie den Kopf nicht hängen lassen. Aber in so einem Moment der tiefsten Enttäuschung, da hilft so ein Satz dann doch nicht so recht.

Weil ich eben in dem Moment keine anderen Türen sehe, die angeblich irgendwo irgendwann aufgehen werden und einen neuen Weg eröffnen! Ich wollte eben diese Tür. Genau diese und nur diese. Selbst bestimmt und selbst gewählt. Nur leider führte sie eben in eine Sackgasse. Es ist doch völlig in Ordnung seinen Lebensentwurf mit den eigenen Träumen in Übereinstimmung zu bringen. Was bringt es ein Leben lang nur bestimmten Träumen nachzuhängen? Es ist doch viel schöner sie zu verwirklichen! Nur, wie ich jetzt merken musste, klappt es eben manchmal dann doch nicht.

Ich bewundere Menschen, die das alles gelassen nehmen. Die mit einer gewissen Lebensweisheit und Reife solche gescheiterten Wünsche und Träume ansehen können. Jetzt sagte eine ältere Kollegin zu mir: „Was geschieht, ist nicht unbedingt gut oder schlecht; es stimmt einfach nur gerade mit meinen Plänen überein – oder eben nicht.“ Sie scheint sich in Sackgassen auszukennen. Sie scheint es zu schaffen, Zielen nicht zu verbissen nachzujagen. Dieselbe Kollegin sagte mir auch: „Ich bete nie konkret für etwas. Sonst würde ich ja darauf warten, dass es sich auch erfüllt. Ich bete einfach nur, dass Gottes Wille geschehen möge. Denn bei Paulus heißt es doch so schön: Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“ (Röm 8,28a)

Das klingt gut. Ich möchte das auch so gerne in den entscheidenden Situationen sagen können. Und dadurch gelassener werden. Noch kann ich es nicht. Aber vielleicht kann ich mir diesen Satz von Paulus über´s Bett hängen, damit er mich jeden Morgen daran erinnert, dass Gott mir alles zum Besten dienen lassen wird. Dass nicht immer alles so läuft, wie ich es will. Aber er mich begleitet und aus der Sackgasse herausführen wird. Denn wenn ich mich richtig besinne, dann hat Gott mir in der Vergangenheit ja auch immer wieder neue Wege eröffnet. Es ging weiter. Anders als geplant, aber nicht unbedingt schlechter…     

Audiobeitrag Sackgassen


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