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Nur Beten!?
Christen wollen die Welt verändern. Zumindest ein bisschen. Daher halten wir unser soziales Tun und Handeln auch so hoch. Ob wir uns in großen gesellschaftlichen Fragen
engagieren, wie etwa im Nein zu Massenvernichtungswaffen oder in kleinen Fragen, wenn es darum geht vor Ort Engagement zu zeigen. Christen sind vielerorts aktiv. In Gremien, in Ausschüssen aber auch ganz nah an den Men-schen dran, sei es in der Arbeit mit Alten und Kranken oder mit Obdachlosen. Das ist uns ganz wichtig. Auch, weil wir als Christen glaubhaft sein wollen.
Und genau deshalb habe ich mich sehr verwundert, als ich vor einiger Zeit in Paris zwei ganz besondere Ordensschwestern kennen lernte.
Ich war mit einer Reisegruppe in Paris. Wir wollten das religiöse Leben in Frankreich unter die Lupe nehmen, insbesondere das von Paris. So kam es also zu einem Treffen mit zwei Schwestern des Jerusalemer Ordens. Edith und Rebekka stellten sich kurz vor und irgendwie waren sie mir gleich sympathisch. Obwohl ich natürlich - wie manch anderer meiner Reisegruppe auch - etwas befremdet darüber war, wie man in einen Orden eintreten kann, wenn man so jung ist: die eine 24, die andere 31.
Zölibatär leben, also ohne Sex und Kuscheleinheiten, den Alltag nach festen Klosterregeln leben, das alles stellten wir uns doch recht hart vor. Auch wenn der Orden nicht so konservativ ist wie andere. Sie leben nicht in einer engen Klosterzelle nur mit Frauen zusammen, sondern mitten in Paris. Hier feiern Schwestern und Brüder gemeinsam den Gottesdienst und verbringen auch sonst viel Zeit zusammen.
Der Jerusalemer Orden zählt zu den jüngsten und innovativsten Orden der katholischen Kirche. Nun war ich sehr gespannt darauf, wie wohl die Tätigkeiten der Schwestern aussehen. Mitten in Paris. Das stellte ich mir auch sehr anstrengend vor. Ich sah Rebekka und Edith förmlich vor mir: wie sie die Armenküche vorbereiten, sich um Alkoholkranke kümmern usw. Aber nichts dergleichen. Sie bieten inmitten all der Hektik und dem Stress der Großstadt einen Ort an, an dem es still ist, an dem gebetet und gesungen wird. Das alles geschieht in der Kirche Saint Gervais den gesamten Tag über bis in den späten Abend.
Das klingt gut. Die Gottesdienste sind auch gut besucht. Trotzdem fragte ich, was sie denn sonst den Menschen Gutes tun? Ich meine: Gottesdienste gestalten. Das ist ja gut und schön. Aber reicht das? Müsste ein Orden nicht auch karitativ tätig sein? Die Ordensschwestern können doch nicht alles an karitativen Tätigkeiten anderen überlassen, oder? Doch sie können. Und das mit voller Überzeugung.
Es sei etwas ganz Besonderes eine Anlaufstelle zu sein für all die Menschen, die Gott suchen und ihn vor lauter Lärm um sich herum nicht finden können, so Schwester Edith. Diakonisches Handeln sei gut, aber es brauche eben auch Menschen, die zeigen, dass wir dafür eine Kraftquelle benötigen. Man müsse erst Energie bei Gott tanken, bevor man sie weitergebe.
Das sei jedenfalls ihre Erfahrung. Außerdem sind die zwei Schwestern verwundert darüber, dass wir scheinbar die Kraft des Gebets und der Stille unterschätzen: Glauben Sie denn nicht daran, dass ihre Gebete etwas bewirken? Erwischt! Ja, eigentlich glaub ich schon daran und ich erinnere mich an eine der ältesten christlichen Lebensregeln überhaupt: bete und dann arbeite!
Nur Beten!?
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