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Den Frühling bringen
An diesem eisigen Wochenende nimmt mein Bruder trotz Arbeit vierundzwanzig Stunden Fahrt auf sich, um mich zu besuchen. Ein Wochenende - 48 Stunden - das ist viel zu
wenig. Aber wir füllen es randvoll. Wir essen wie die Könige, spazieren durch den Schneematsch, photographieren rote Ampel, trinken warmen Tee, abends packen wir die Gitarren aus, singen unsere alten Lieblingslieder. Und schon stehen wir wieder am Bahnsteig.
Die eisige Kälte treibt mich schon vom Bahnsteig weg, da steckt mein Bruder seinen Kopf Zugtür und winkt. Er sieht so übermütig aus wie damals, als er immer abends von unserem Etagenbett runterwinkte. Ich fühle einen kleinen Stich im Herzen. Gut, dass es dich gibt. Komm bald wieder!, schreie ich in das Quietschen des anfahrendes Zuges.
Der Zug verschwindet in der Dunkelheit. Die Stille legt sich auf die Nacht. Ich drehe mich um und gehe den Bahnsteig runter. und hinter den Scheiben der Bahnplakate spiegele ich mich. Und stelle fest, ich summe vor mich hin.
Mein Bruder fährt ab, aber er hat mir den Frühling dagelassen. Das ist das warme Gefühl, wenn man jemanden liebt.
Sprecher: Michael Birgden
Den Frühling bringen
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