Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

03.01.06, 6.56 Uhr, Christoph Neumann

Von neuen Heften und guten Vorsätzen

Wenn in meiner Schulzeit ein neues Schuljahr begann, dann gab es natürlich neue Hausaufgabenhefte. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich immer

ganz vorsichtig die erste Seite aufgeschlagen habe. Dann lag das erste Blatt vor mir. Weiß, sauber und ordentlich. Und jedes Mal habe ich mir vorgenommen: Ab heute schreibst du wunderbar schön. Mein Klassenlehrer war nämlich nicht zufrieden mit meiner Schrift. Und, - so sagte ich mir, du vermeidest Fehler, damit du nicht durchstreichen oder korrigieren musst.

Am Anfang klappte das auch recht gut. Am ersten Tag sah das oft noch sehr schön aus. Schwieriger wurde das schon bei der zweiten Seite. Die war meistens nicht mehr so glatt und manchmal blieb mein Ärmel an der Ecke hängen und dann war schon das erste Eselsohr zu sehen. Na, ja und wie es dann so kommt: Drei Tage später gab es den ersten blauen Klecks. Dann sah also nach kurzer Zeit die Kladde schon wieder aus, wie das Hausaufgabenheft vom letzten Jahr. Ganz schön frustrierend.

Mit jedem neuen Jahr ist es so, wie damals beim Beginn eines Schuljahrs. Da  liegt das neue Jahr noch vor uns. Unbeschrieben  wie ein neues Heft. Und dann machen auch viele von uns Erwachsenen es wie damals in der Schule:  Wir fassen gute Vorsätze. Da nehmen wir uns vor:  Im neuen Jahr wird alles anders. Da packen wir endlich ein paar Dinge an. Damit wir weiterkommen. Und ein paar Tage klappt das ganz gut. Aber meistens dauert es nicht lange, dann geben wir wieder auf. Weil die alten Fehler uns zum Stolperstein werden. Weil wir uns vielleicht zu viel vorgenommen haben. Oder weil die Anforderungen unseres familären und beruflichen Lebens uns einen Strich durch unsere Pläne machen.
 
Deshalb gibt es Leute, die sagen: Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen. Warum gute Vorsätze, wenn nachher sowieso alles beim Alten bleibt? Diese ständigen Rückschläge kannst du dir ersparen, indem du aufhörst mit deinen guten Vorsätzen. Soll ich mir dann also gar nichts mehr vornehmen. Keine Dinge in Angriff nehmen, um weiterzukommen? Ein Sprichwort in der Bibel heisst: „ Einer, der Gott vertraut,  fällt siebenmal und steht wieder auf. Wer aber hoffnungslos ist, versinkt in seinem Unglück.“

Das heisst doch, Rückschläge oder Rückfälle zu erleben. Enttäuschungen. Das gehört zu unserem Leben. Das können wir gar nicht vermeiden. So, wie es wohl keinen Menschen gibt, der nicht mindestens einmal gefallen ist. Aber weil Gott zu uns steht,  können wir immer wieder aufstehen. Nur, wer keine Hoffnung hat, versinkt in seiner Enttäuschung und bleibt liegen.

Also, nur mutig neue Vorsätze gefasst. Neue Vorhaben in Angriff genommen und neue Pläne geschmiedet. Damit wir weiterkommen. Und wenn es wieder einmal eine Enttäuschung gibt. Wenn wir abrutschen in alte Verhaltensweisen und über alte Fehler stolpern. Dann stehen wir wieder auf. Dann vertrauen wir Gott und halten uns an ihn. Der zu uns steht und uns Hoffnung gibt.

Audiobeitrag Von neuen Heften und guten Vorsätzen


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