Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

04.01.06, 7.50 Uhr, Christoph Neumann

Sich freuen können

„ Freut euch! Und ich sage euch noch einmal: Freut euch! Denn ihr habt Grund dazu. Christus kommt wieder. Eure Freundlichkeit lasst den Menschen zukommen, weil

Christus mit seiner guten Zukunft ganz nahe ist“  So macht einer in der Bibel seiner Gemeinde Mut. Denn der war auch nötig. Die Leute machten sich Sorgen. Über ihre Zukunft. Und darüber, wie es in schwierigen Zeiten weitergehen sollte. Denn diese Zukunft sah nicht rosig aus. Ziemlich trübe Aussichten. Mit der Freude war es da oft nicht weit her. Deshalb werden sie daran erinnert, dass nicht alles so trostlos ist, wie sie es oft sehen. Dass Gott etwas Neues vorhat. Und schon jetzt damit an der Arbeit ist. Die Aufforderung zur Freude soll ihnen helfen, Gottes Freundlichkeiten im Alltag in den Blick zu bekommen.und nicht zu übersehen.

Uns geht es heute nicht viel anders als den Leuten damals. Mit großer Regelmäßigkeit wird gerade am Jahresanfang darüber informiert, was alles ab Neujahr anders wird. Meistens geht es dabei um die Verschlechterungen, die uns erwarten. Die Gesetze, die maches verändern, die finanzielle Einbußen für viele Menschen. Mit sich bringen. Von steigenden Steuern ist die Rede. Und sinkenden Einnahmen. Von höheren Krankenkassenbeiträgen und Renten, die abnehmen. Davon, dass wir den Gürtel enger schnallen müssen. Und dass die Energiekosten steigen.
Da ist es mit der Weihnachtsfreude, von der vor ein paar Tagen noch so oft die Rede war,  nicht mehr weit her.

Das fängt meistens schon morgens nach dem Frühstück an. Wenn ich die Zeitung lese, dann ertappe ich mich immer wieder dabei, wie die schlechten Nachrichten das  Gesprächsthema am Frühstückstisch bestimmen. Dann sinkt die Stimmung schon früh am Morgen und ich heule mit den Wölfen und sehe kräftig schwarz. Rege mich auf über all das Schlechte  in der Welt. Über die Menschen und ihre Bosheit. Und dass ja so ziemlich alles den Berg runter geht. Dann beginnt der Tag oft ziemlich freudlos.

„ Freut euch! „ sagt der Mensch aus der Bibel. Seid freundlich und gebt diese Freundlichkeit weiter!“ Das hört sich gut an. Freude kann man jedoch nicht anordnen. Aber vielleicht gibt es Gewohnheiten, die uns helfen, unsere Perspektive zu ändern. Die Ereignisse in der Welt anders zu sehen. Und um solche Gewohnheiten einzuüben, braucht es gegenseitige Ermutigung.

Damit wir nicht schon am frühen Morgen den Tag so freudlos starten, habe ich mit meiner Frau einen Entschluss gefasst: Der erste Kommentar, den einer von uns beiden am Frühstückstisch zur Zeitung abgeben darf, muss ein positiver sein. Zum Beispiel: der herrliche Comic vom  nervigen 6jährigen Calvin und seinem Stofftiger Hobbes. Oder ein Bericht über das ehrenamtliche Engagement von Menschen in unserer Stadt. Oder das gelungene Benefizkonzert.

Denn das steht ja auch noch in der Zeitung. In allem Guten und Schönen ist Gott dort schon versteckt am Werk. Und darüber kann man sich nur freuen.

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