Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.01.06, 7.50 Uhr, Christoph Neumann

Chronistisches

In ein paar Tagen liegt sie wieder in vielen Buchhandlungen aus: Die Chronik vom vergangenen Jahr. Mit bunten Bildern und Texten können wir da nachlesen, was so alles

in den vergangenen Monaten passiert ist. Die Höhepunkte, die Feste und Jubiläen. Die Highlights. Aber auch die Katastrophen. Die Unfälle. Skandale. Pleiten, Pech und Pannen. Es ist gut, wenn wir nicht alles gleich wieder vergessen, was passiert ist. Denn nur so können wir etwas daraus lernen. Man kann Chroniken aber auch missbrauchen. Da sammelt man die vergangenen Ereignisse. Natürlich nur die schlechten. Und zu gegebener Zeit holt man sie wieder hervor.

Zum Beispiel um einem lästigen Zeitgenossen eins auszuwischen. So erleben wir es bei Menschen in Politik und Wirtschaft. Da ist einmal eine Fehlentscheidung getroffen worden. Etwas ist schiefgelaufen. Und irgendwann später, wenn es Konflikte gibt, hält man ihnen jene Geschichten wieder unter die Nase, nur um diese Personen zu demontieren.

Auch unsere kleinen Familienchroniken mißbrauchen wir häufig. Die werden nicht gedruckt, sondern die sammeln wir in unseren Köpfen. Und wenn es dann mal Streit gibt, dann kramen wir die alten Geschichten wieder hervor.
Auch in der Bibel gibt es Chroniken.

Wie heute gab es auch schon damals nicht nur Feste und Jubiläen zu feiern. Da gab es auch Katastrophen und Unfälle. Und Skandale. Pleiten, Pech und Pannen.. Zum Beispiel die von König David. Seine peinlichen Auftritte, sein Ehebruchskandal. Ja, sogar ein eiskalt geplanter Mord.

Da bin ich ziemlich irritiert, wie Gott im Buch der Chronik über diesen König sagt:
„ David hat mir unverbrüchlich die Treue gehalten, hat alle meine Gebote befolgt und nur getan, was mir gefällt“ So lautet das Urteil Gottes über das Lebenswerk dieses Königs im alten Israel.
Hat Gott die bösen Geschichten dieses Mannes vergessen? Lässt Gott etwa fünf gerade sein? Sicher nicht. Aber die Bibel berichtet davon, dass David da, wo er schuldig geworden war, Gott um Vergebung gebeten hat. Und was vergeben ist, das ist bei Gott auch vergessen. Gott missbraucht also unsere Vergangenheit nicht. Er kramt die alten Geschichten nicht wieder hervor, um uns fertig zu machen.

Wir Menschen können vieles nicht vergessen. Und wir dürfen es oft auch nicht.
Es ist gut, wenn wir die Höhepunkte und Feste unseres Lebens festhalten. Und nicht nur sie, sondern auch die schlechten Erfahrungen. Die Niederlagen und Pannen.

Aber wir können von Gott lernen, unsere Chroniken nicht zu missbrauchen. Um einander eins auszuwischen. Sondern uns zu freuen über die Highlights in unserem Leben. Und aus Fehlern und Pannen zu lernen. Und da, wo wir Schuld benannt und ausgesprochen haben. Und wo sie bekannt worden ist. Wo wir vergeben und verziehen haben. Da können wir uns einander eine neue Chance geben. So, wie Gott dem König David eine neue Chance gab. Damit wir uns mit unserer Vergangenheit nicht ständig neu belasten.

Audiobeitrag Chronistisches


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