Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.01.06, 7.50 Uhr, Silke Janssen

Befiehl Du Deine Wege und was Dein Herze kränkt

Herzlich willkommen im Jahr 2006. Einem Jahr, für das Sie sich bestimmt wieder einiges vorgenommen haben. Einem Jahr, für das Sie einiges geplant und über das

Sie sich so Ihre Gedanken gemacht haben. Einem Jahr, in dem Sie jetzt, am siebten Tag des neuen Jahres, aber auch noch nicht wissen, was auf Sie zukommt. Denn eines steht fest - es wird nicht so, wie Sie sich das jetzt vielleicht denken und wünschen und erhoffen. Denn meistens kommt es anders, als man denkt. 

Ganz gleich, was passiert: Es gibt einen, der mit Ihnen durch das Jahr geht. Er ist ein ständiger Begleiter. Mehr noch: ein Kapitän, der Sie über das Meer des Lebens lotst. Einer, dem Sie voller Vertrauen ihren Weg anbefehlen können.

Musik: „Befiehl Du ... Fuß gehen kann“   

Autorin „Befiehl Du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt“ heißt es in der ersten Strophe eines Liedes von Paul Gerhard. Mit anderen Worte: Lass Gott den Kapitän Deines Lebens sein. Laß ihn den Weg deines Lebens bestimmen.In der Bibel geht dieser Gedanke weiter. In Psalm 37, Vers 5 heißt es: 

Sprecher: Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn. Er wird's wohl machen. 

Autorin: Der Pfarrer und Dichter Paul Gerhard hat diesen Text aufgegriffen und ein mehrstrophiges Lied daraus gemacht. Indem er Gottesgeschichte mit Menschengeschichte verwebt, wurde es eines der bekanntesten Kirchenlieder überhaupt.Warum? Weil es zu dem anstiftet, worum es im Glauben geht: Beten, vertrauen und loslassen. Drei Bausteine, die gerade in schwierigen Situationen weiterhelfen. Und Paul Gerhard wußte, wovon er schrieb. 

Sprecher: Er war elf, als der dreißigjährige Krieg ausbrach. Mit zwölf Jahren bereits verlor er seinen Vater und als er vierzehn war, starb seine Mutter. Not und Entbehrung also begleiteten ihn in seiner Jugend, in seiner Ausbildung, als junger Erwachsener und in seiner Ehe. Vier seiner fünf Kinder starben.

Und auch im Beruf ging nicht alles glatt: Paul Gerhard hatte als überzeugte Anhänger Martin Luthers große Schwierigkeiten in seiner Kirche. Die Reformierten in Berlin liebten die Lutheraner nicht. Jahrelang musste er um sein Anstellung als Pfarrer bangen. Heute würde man sagen, er wurde gemobbt. So wechselte Paul Gerhard in die benachbarte sächsische Landeskirche, um dort ein Pfarramt ausüben zu können.

Autorin: Man kann also sagen, dass der Dichter und Pfarrer Not und Entbehrungen in jener Zeit mehr als einmal erleben musste. Er war sicher oft gekränkt worden und war mit Gram mehr als mit Freude erfüllt. Und trotzdem - Paul Gerhard war sich sicher. Es gibt in all dem Leid nur einen, der sein Leben in seiner Hand hat und der für ihn einen Weg weiß. Es ist der, dem er bedingungslos vertraute - es ist Gott. 

Musik: „Weg hast Du ... ersprießlich ist, willst tun“  

Autorin:  Gott hat immer einen Weg. „Allerwegen“ dichtet Paul Gerhard. Also immer und in jeder Situation.  Er ist der Kapitän auf dem Lebensmeer. Es ist schon einige Jahre her. Mit ein paar Freunden waren wir segeln auf dem Mittelmeer. Heinz, ein erfahrener Skipper, ein paar junge Leute aus meiner Gemeinde und - mein Vater. Für ihn war diese Bootstour bloß ein netter Ausflug. Denn - mein Vater ist Kapitän. Viele, viele Jahre lenkte er große Schiffe über die Meere dieser Welt. Auch durch Stürme und Hurrikans. Die Tour verlief ruhig und entspannt - bis wir in schlechtes Wetter kamen.

Das Boot lag schräg, nur ein Segel war halb gesetzt, die Gischt peitschte uns ins Gesicht und wir konnten vor lauter Salzwasser nicht mehr aus den Augen gucken. Verzweifelt versuchten wir, gegen den Wind zu kreuzen, um den nächsten Hafen zu erreichen. Aber der Leuchtturm neben dem rettenden Hafen kam und kam nicht näher.  Da entschloss sich unser Skipper, unter Maschine zu fahren; d.h. er musste selber lenken. Bei dem Sturm konnte er uns unerfahrene Landratten nicht das Ruder überlassen. Vor allem zeigte die Karte, dass vor der Küsten Felsen im Meer lagen, die uns hätten gefährlich werden können. Wer aber sollte navigieren? Natürlich - mein Vater! Er war ja der Fachmann! Also setzte sich mein Vater unter Deck an den Kartentisch und rief durch den Sturm in kurzer Folge dem Skipper Zahlen und Himmelsrichtungen durch, um uns alle heil an den Felsen vorbei in den nächsten Hafen zu lotsen. Es klappte.

 2. Strophe: „Dem Herren musst ... erbeten sein“                                                                        

Autorin Natürlich haben wir in dem Sturm meinem Vater vertraut. Schließlich war es sein Beruf, Schiffe sicher über die Meere zu bringen. Und natürlich hat der Skipper auch getan, was mein Vater ihm zurief. Sonst wäre das Boot möglicherweise auf einen Felsen aufgelaufen. So, sagt Paul Gerhard, sollen wir auch Gott, dem Herren, trauen, wenn es uns gut gehen soll. Wo mein Weg aufhört, da fängt Gottes Weg mit mir an. Wo ich nicht mehr weiter weiß und mit dem Gesicht zur Wand stehe, da hat Gott noch eine Tür für mich, die ich nicht sehe, durch die ich aber dann durchgehen kann.

Sprecher:  „Befiehl Du Deine Wege und was Dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolke, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann“.

Autorin  Gott ist der Allmächtige, der Schöpfer des Himmels und der Erde. Er hat die Natur gemacht mit ihrem Rhythmus. Er hat das Jahr strukturiert in Sommer und Winter. Er ist der Regent über diese Welt. Wenn Gott schon das Wetter, die Winde, die Luft dirigieren kann - also so etwas Großes, das ein Mensch wirklich absolut nicht beeinflussen kann und was nicht in seiner Macht steht - dann wird er auch in einer schwierigen Situation für mein Leben einen Weg finden.

Diese Gewissheit wünsche ich Ihnen: Sie haben einen Kapitän, der Sie durch Ihr Leben lotst. Der Ihnen im Sturm die Koordinaten und die Himmelsrichtung zuruft. Den Sie bitten können und sogar sollen und dem Sie vertrauen können. Das wünsche ich Ihnen für das vor Ihnen liegende Jahr 2006.

Musik:Befiehl du ... da dein Fuß gehen kann“   

 

Audiobeitrag Befiehl Du Deine Wege und was Dein Herze kränkt


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