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Störungen
Der erste Werktag im neuen Jahr, die erste Morgenandacht auf diesem Sender. Willkommen.Sie gehören zu denen die früh aufstehen, früh unterwegs sind, früh bei der
Arbeit. Bileam auch. Von ihm erzählt das 4.Mosebuch. Er ist ein Profi. Ein Prophet, der auf Anfrage arbeitet. Diesmal soll er das Volk Israel verfluchen. Ein Auftrag vom König der Moabiter, der befürchtet, sein Land könne von den Israeliten verwüstet werden.
Das Volk Israel, so berichtet die Bibel, zog damals noch umher in Zelten und hatte sich bei Jericho in der Jordansenke gelagert. So sattelte Bileam früh am Morgen seine Eselin und machte sich auf, um seinen Auftraggeber zufrieden zu stellen.
Die Luft ist noch kalt, der Himmel grau. Da plötzlich stockt Bileams Eselin. Er schnalzt mit der Zunge, ruckt ungeduldig im Sattel. Nichts. Er steigt ab, nimmt sie beim Zügel, zerrt. Sie bleibt störrisch. Er gibt ihr einen Klaps, einen kräftigeren. Umsonst. Seine Schläge werden hart. In der Wut nimmt er den Stock da öffnet Gott ihm die Augen. Mitten auf dem Gebirgspfad sieht Bileam, wovor die Eselin die ganze Zeit scheut: Einen Engel Gottes mit gezogenem Schwert. Ich hab dich nicht gesehen, stottert Bileam, hab nicht gesehen, dass du es bist, ein Bote Gottes, der sich mir in den Weg stellt. Doch wenn du willst, dann kehr ich auf der Stelle um. Weitergehen, sagt der Engel, du sollst weitergehen. Aber merk dir: Du wirst das Volk Israel nicht verfluchen, sondern Segen werden deine Worte sein!
Eine Panne des Fortbewegungsmittels. Kennen wir Bileam. Nervt. Kostet Zeit. Wie jede andere Panne auch. Stört, bringt die Termine für den Tag durcheinander. Da gibt es nur eins: Unverzüglich in Ordnung bringen. Fehler umgehend korrigieren. Krankheiten schnellstens kurieren. Probleme lösen und weitermachen. Sich nicht rausbringen lassen.
Vielleicht ist das der Grund, warum wir heutzutage so wenig von Gott sehen. Blind sind, ungeduldig wie Bileam, der seine ganze Aufmerksamkeit und Ungeduld auf die Eselin richtet. Wie er sehen wir die vielen kleinen und großen Störungen unseres Alltags eben als Störungen. Dabei ist es jedes Mal Gott, der sich uns in den Weg stellt. Der sich bemerkbar macht. Mach langsam. Mach die Augen auf. Wohin bist du unterwegs? In wessen Auftrag? Wohin führt, was du vorhast? Halt inne. Denk nach. Kehr um. Oder geh weiter. Doch geh in meinem Auftrag. Selbst wenn es ein Fluch ist, den du mit dir trägst: Ich wandle ihn in Segen.
Früh am morgen bricht er auf, der Profi unter den Propheten, Bileam in heikler Mission. Mitten auf dem Weg erkennt er, wie nah ihm Gott ist. Und dass Menschen nichts ausrichten können, als das, was Gott ihnen aufträgt. Doch vor allem: Dass er in Segen wandeln will, was unsre Hände tun. Wenn wir ihn nur lassen.
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