Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

03.01.06, 5.56 Uhr, Ulrich Haag

Gute Vorsätze

Tach Frau Hinz, sag ich.Huch, sagt se, wat machen sie denn schon so früh hier im Hausflur. Laufen, sag ich, dat habbich mir vorgenommen, jeden Morgen früh raus und ne

halbe Stunde durch den Park.
Ach so, sagt se, sind dat die guten Vorsätze für dat neue Jahr?
Genau, sag ich, ich muß wat tun, sons bin ich mit 35 so alt wie mein Vater mit 65
Haltense dat denn durch, fragt se, jeden morgen so früh und dann direkt Sport.
Ma gucken, sag ich, versuchen mussich et. Wat haben sie sich denn vorgenommen im neuen Jahr?
Gar nix, sagt se.

Wie, sag ich, keine guten Vorsätze? Dat hört sich an, als wär bei ihnen die Luft schon raus bevor et angefangen hat.
Dat hat damit nix zu tun, sagt se, bei mir sind dat Glaubensgründe.
Glaubensgründe? sag ich.
Klar, sagt se, dat hat bei mir mit dem Gebot zu tun du solls dir kein Bildnis machen.
Dat versteh ich jetz aber nich, sag ich.

Doch, sagt se, früher habbich mich jedes Jahr zu Anfang wer weiß wie verrückt gemacht, dat ich abnehmen muß, dat ich nich mehr soviel rauche, dat ich jeden Tag n Spaziergang mach. Dat ich mich eben ändern muß, besser werden. Aber vor ein paar Jahren hat der Farrer Klinkhammer in der Neujahrspredigt Predigt gesagt, dat dat alles Bilder sind. Bilder die wir von uns im Kopf haben. Schöner wollenwer werden, gesünder, mehr Erfolg haben, von den andern bewundert werden. Alles Bilder, wo wir und für anstrengen. Wie früher die Glanzbildchen, wissense noch?
Klar, sag ich, die habbich selbs ma gesammelt.
Als Junge? sagt se.

Wieso nich, sag ich.
Wenn se die sammeln, sagt se, is ja gut. Aber wenn se sich verrückt machen, weil se selbs so werden wollen und dat ihr Leben ne Glanznummer werden muß, dann nee.
Ne Glanznummer vielleicht nich, sag ich, aber dat ich aus meinem Leben wat mach, dat is mir schon wichtig. Und ich glaub auch, dat Gott dat von mir erwartet.

Wie kommense denn da drauf, fragt se.
Ich glaub, dat Gott will, dat ich mich weiterentwickel. Dat ich erwachsener werde, zum Beispiel, nich so aufbrausend. Dat ich ma abkann, wenn ich ungerecht behandelt werde. Und dat ich mit Arme und Beine wat anfangen kann, mit dem Körper, den Gott mir mitgegeben hat. Am Ende komm ich da aus, dat ich so werde, wie Gott mich gemeint hat, als der mich geschaffen hat, damals.

Dat hört sich gut an, sagt se, aber mir is et wichtiger, dat Gott mich als Kind gern hat, auch wenn ich nich alles voll halten kann, wat der von mir erwartet.
Glauben, dat Gott mich als Kind gern hat, sag ich, da hammse recht sag ich. Aber dat ich mit den Möglichkeiten, die Gott mir gibt, dat beste anfange, is genauso wichtig.

Ja, sagt se, dann müssense wohl jetz los und ihre Runden drehen. Aber passense auf, dat se nicht fallen, im Park. Et is ja noch stockdunkel.
Keine Sorge sag ich, ich lauf den Hauptweg lang, wo die Laternen stehen.
Tschüss dann, sagt se.
Tschüss zusammen.

Audiobeitrag Gute Vorsätze


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