Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.01.06, 5.56 Uhr, Ulrich Haag

Homo sapiens – das geht vorbei

Es gibt Witze, die regen mehr zum Nachdenken über Gott und die Welt an, als so manche gelehrte Betrachtung. Treffen sich zwei Planeten. Sagt der eine, du ich glaub ich

Homo sapiens. Sagt der andere, mach dir nichts draus, das geht vorbei.

Nur einen Moment lang ist mir nach Schmunzeln zumut über die Treffsicherheit und den Sarkasmus dieses knappen Dialogs. Dann merke ich, dass – umgekehrt – sich dieser Witz über mich lustig macht. Homo sapiens, das sind wir Menschen. Das ist meine Gattung, ich gehöre dazu.

Homo sapiens? - Das geht vorbei.
Was soll das denn heißen? Dass ich, dass wir, dass unsere Gattung lediglich eine Randerscheinung der Weltgeschichte sind? Eine Plage wie der Läusebefall auf dem Schopf meines 10jährigen Sohnes? Ein Irrtum der Evolution, der sich noch dazu von selbst erledigt, weil sich diese Spezies, hat sie einmal einen Planeten befallen, sich selbst auszulöschen pflegt?

Homo sapiens? Das geht vorbei.
Dieser Satz bringt die tiefe Skepsis zur Sprache, die der Mensch sich selbst gegenüber hat, das Misstrauen und die Zweifel daran, dass Menschen in der Lage sind, diesen Planeten, den blauen, dauerhaft, in gegenseitigem Einvernehmen und glücklich zu bevölkern.

Ob er das kann, steht tatsächlich dahin. Wir wissen nicht, wie die Geschichte der Menschheit endet, ob im atomaren Weltenbrand, der biologischen Mutation oder im Paradies, der Rückkehr des Menschen in den Garten Eden.
Glaubt man den letzten Kapiteln der Bibel, so wird die Welt am Ende tatsächlich zu Asche zerfallen, wird die Menschheit sich in riesigen Völkerschlachten zugrunde richten. Homo sapiens? Das geht vorbei. Die Bibel teilt die Skepsis gegenüber den menschlichen Fähigkeiten. Sie weiß, dass jeder Mensch, egal was er tut oder was er unterlässt, beteiligt ist an einer Zivilisation, die letztlich auf den Tod, die Vernichtung zusteuert.

Und so steht am Ende aller Dinge tatsächlich ein Planet, der von seinem Befall gereinigt ist. Ich will schaffen einen neuen Himmel und eine neue Erde, verheißt Gott im Jesajabuch. Nur: Anders als erwartet wird auch diese neue Erde von Menschen bevölkert werden. Von neuen Menschen, die in der Nähe Gottes leben. Die unter den Irrungen und Wirrungen des vorherigen Zeitalters nicht mehr leiden werden. Und die ihrerseits der Schöpfung kein Leid mehr verursachen werden.

Homo sapiens – das geht vorbei.

Möglich, dass wir mitsamt unserer Welt zugrunde gehen. Doch wird die Erde einen Neujahrsmorgen sehen, still mit klarer, kalter Luft, einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und wir, die Menschen werden es erleben und in Frieden darauf wohnen.

Audiobeitrag Homo sapiens – das geht vorbei


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