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Maria kniet
Vor dir bin ich klein mit dir bin ich groß. Was so klingt wie ein Rätselspruch, ist in Wahrheit ein Gebet. Es ist das Gebet eines Menschen, der sich vor Gott beugt.
Ich habe es bei den Kommunionkindern unserer Nachbargemeinde beobachtet. Als sie zu uns in die Kirche zu Besuch kamen, beugten sie vor dem Altar kurz ihr Knie und beteten: Vor dir bin ich klein mit dir bin ich groß. Dahinter steckt die Erkenntnis: Wer vor Gott kniet, kann vor den Menschen aufrecht stehen. Wir brauchen heute Menschen mit Rückgrat. Mit einem aufrechten Gang, die ihre Knie nicht vor allem Möglichen oder sogar Unmöglichem beugen, sondern vor dem, der das Kleine groß macht: vor Gott.
Uns Evangelischen ist nicht nur das Knien abhanden gekommen, sondern weitgehend auch die damit verbundene innere Haltung. Wovor fühlen wir uns klein? Und was macht uns groß? Es ist beunruhigend. Heute knien wir innerlich eher vor der Angst, dem Erfolg, der Mode. Heutige Tempel sind verspiegelt und kratzen an die Wolken.. In unserer Leitungsgesellschaft, fühle ich mich vor den Anforderungen klein und erst beim Erfolg kann ich mich groß fühlen: vor dir bin ich klein mit dir bin ich groß. Doch Erfolg stellt sich nicht immer ein. Die Anforderungen werden immer größer wer nicht mitkommt, fliegt eben raus. Unbarmherzig ist der Gott des Erfolgs. Wäre es nicht besser, wieder vor dem zu knien, den wir den Barmherzigen nennen? Er ist es doch , der uns aufrichten kann, auch wenn wir am Boden sind: Vor dir bin ich klein mit dir bin ich groß.
Ich habe mir aus Assisi eine besondere Marienfigur mitgebracht. Eine ganz einfache Form, die sich wie ein Handschmeichler in die Hand schmiegt. Eine Maria zum Anfassen. Nur Form und Silhouette. Kein Gesicht. Keine Einzelheiten. Betrachte ich diese Maria von der Seite, dann scheint sie zu knien. Vor dem Engel, der ihr sagt, dass sie ein Kind bekommen wird, das sie Jesus nennen soll? Kniet sie vor dem Heiligen, der sie ein einfaches Mädchen aus einfachen Verhältnissen zur Mutter des Heiligen, des Heilands auserwählt hat? Oder kniet sie vor dem Jesuskind, vor ihrem Kind?
Jetzt zu Weihnachten kann ich meinen Ort der Anbetung wieder finden. Nicht in den Geschäften oder vor den Geschenken. Nicht vor dem Weihnachtsbaum und den Lichterketten. Nicht vor dem Erfolg oder dem Geld. Neben Maria ist mein Platz: Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben; ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben, heißt es in einem alten Kirchenlied. Vor dir bin ich klein mit dir bin ich groß.
Maria sagte es so: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich seligpreisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist. Lk 1,46-49
Maria kniet
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