Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

22.12.05, 5.56 Uhr, Jochen Müller

Maria-Himmelskörper

Der Lichterglanz kennt keine Grenzen mehr. Lichterketten so weit das Auge reicht, Weihnachtsbäume so hoch wie Häuser, ganze Netze von Lichtpunkten. Das Dunkel soll

erhellt werden. Mit aller Macht. Es gibt Häuser, die verbrauchen in der Adventszeit mehr Strom als im Rest des ganzen Jahres zusammen. Doch was ist, wenn der Strom ausfällt? Fällt dann auch Weihnachten aus?

Viele Menschen haben das am ersten Adventswochenende dramatisch miterleben müssen. Dann geht nicht nur die Weihnachtsbeleuchtung aus, sondern auch die Heizung, der Herd, die Melkmaschinen – alles fällt aus. Katastrophengebiet Münsterland. Da erst fällt auf, wie wichtig für uns der alltägliche Strom ist. Klar: der Strom kommt aus der Steckdose: Stecker rein – Lichterkette an. Und wenn’s nicht geht, sind wir ratlos und sauer.

Lichterglanz und Stromausfall werden mir heute zum Gleichnis.

In der Weihnachtszeit hängen wir Sterne auf, weil der Stern von Bethlehem den Menschen den Weg zur Krippe und zum Jesuskind gezeigt hat. Wie finden Menschen heute zu Jesus und zur Weihnachtsfreude darüber, dass Gott Mensch wird? Vor lauter Geschäftigkeit haben wir den Stern aus den Augen verloren. Oder leuchtet er wegen geistigem Stromausfall schon gar nicht mehr? Welcher Stern leitet unsere Wege heute? Profit, Wirtschaftlichkeit, Erfolg. Oder Glaube, Hoffnung, Liebe? Nutzen Sie die Adventszeit, um Ihre Lebensziele zu überprüfen und in ihrem Leben neu nach Gott zu fragen. 

Wir schalten die Weihnachtsbeleuchtung ein, weil Jesus von sich selbst sagt: Ich bin das Licht der Welt.. Wir hängen Lichterketten auf. Sie erinnern mich daran, dass wir Licht weitergeben können. Von einem Licht zum andern – von einem Menschen zum andern. Jesus sagt: Ihr seid das Licht der Welt!

Und wenn kein Strom mehr da ist, sitzen wir alle in der Finsternis. Tappen im Dunkeln. Die Lampen leuchten nicht von selbst. Auch wir Menschen nicht.

Ich sehe auf meine Marienfigur vor mir. Heute strahlt sie Würde aus. Sie wird manchmal als Licht-umspielte Madonna dargestellt. Als Himmelskönigin. Dann thront sie auf dem Mond, ist von der Sonne bekleidet und von Sternen umtanztAls evangelischer Christ habe ich da meine Bedenken. Bei diesen Darstellungen der Maria wird sie in eine Sphäre gehoben, in die sie meiner Meinung nach nicht gehört.

Für mich ist Maria erst einmal eine junge, unverheiratete Frau, die in einem dreckigen Stall ihr erstes Kind bekommt. Keine bedeutende Abstammung, kein Star, keine Berühmtheit. Einfach eine junge Mutter. Mit Sorgen und ihrer besonderen Geschichte mit dem Kind. Erst später, sozusagen im nachhinein, wird sie zur strahlenden Himmelskönigin.

Unter all dem Glanz kann man manchmal vergessen, dass auch Marias Lebens-Strom nicht aus ihr selbst kam, sondern von dem, der Himmel und Erde gemacht hat. Maria leuchtet ja nicht aus sich selbst wie ein Stern, sondern sie wird erhellt vom Licht Gottes. Darum singt sie über Gott: Er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen und  erhebt die Niedrigen. Sie weiß, dass Gott sie groß gemacht hat und lässt sich nicht trennen von dem, der das Licht in die Welt gebracht hat.

Haben wir einen geistlichen Stromausfall, können wir von Maria lernen, an wen wir uns wenden können. Von Maria können wir lernen, die Welt in einem anderen Licht zu sehen, im Licht der Liebe und der Versöhnung.

Audiobeitrag Maria-Himmelskörper


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