Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.12.05, 5.56 Uhr, Jochen Müller

Maria-Mutter

„Fröhliche Weihnachten! Gesegnete Feiertage! Frohes Fest und einen guten Rutsch. Können Sie diese Wünsche noch hören? An jeder Supermarktkasse, an jeder

Tankstelle, wenn wir uns auf der Straße voneinander verabschieden – überall wimmelt es von diesen Worten und Wünschen. Statt auf  Wiedersehen oder schönes Wochenende wünschen wir: Fröhliche Weihnachten! Gesegnete Feiertage! Frohes Fest und einen guten Rutsch! Doch wie kommen die Worte an? Wie sind die Wünsche gemeint?

Naja, alles soll schön harmonisch sein, ein bisschen Ruhe und Besinnung, Freude über die richtigen Geschenke, Familie – ist doch klar. Nun treffen diese Worte aber Menschen in ganz unterschiedlichen Situationen.

Auf der einen Seite: Die Krankenschwester, die das fünfte Mal hintereinander an Heiligabend Spätdienst hat und auch gerne mal zu Hause wäre. Der Mann, der kurz vor Weihnachten noch ins Krankenhaus muss, weil seine Blutwerte nicht in Ordnung sind. Die Trauernde, die besonders an Weihnachten an den Verlust ihres Mannes erinnert wird.

Auf der anderen Seite: Die fröhliche Mutter, die gerade ihr erstes Kind bekommen hat. Die Schüler, die endlich Ferien haben. Die Kinder, die heute Abend den größten Wunsch ihres Lebens erfüllt bekommen.

Unsere Welten sind grundverschieden und doch hören wir die gleichen Wünsche. Was machen wir mit den ganzen Worten?
Da rein und da wieder raus? Nicht so ernst nehmen? Sich darüber lustig machen? Sie als ernst gemeinte Wünsche beherzigen? Sie uns zu Herzen nehmen?

Auch heute steht meine schlichte Marienfigur vor mir. Ich sehe eine junge Mutter, die kurz nach der Geburt schon Besuch bekommt. Eine Flut von guten Wünschen für sich und das Kind. Alle meinen es gut mit ihr. Die Hirten sind die ersten. Sie kommen vom Feld, weil sie von der außergewöhnlichen Geburt gehört haben. Sie erzählen von der Botschaft der Engel: Euch ist heute der Heiland geboren! Und ich lese: Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Maria hört die Worte, behält sie und bewegt sie in ihrem Herzen.

Weihnachtswünsche sind solche Worte, die lohnen behalten zu werden und zu Herzen genommen zu werden. Ich finde es gut, dass wir uns in diesen Tagen wie selbstverständlich Wünsche mit auf den Weg geben. Wie oft haben wir nur das Gegenteil in unseren Herzen und ärgern uns übereinander. Reden oder Denken schlecht über die Macken der anderen. Wie oft ist uns das Ergehen des anderen egal. Hauptsache ich.

Damit der Weihnachtsfriede bei uns ankommen kann, könnten wir die vielen Weihnachts-Wünsche ernst nehmen und sie uns zu Herzen nehmen. Dann können sie unser Herz bewegen und uns selbst menschlicher machen: Mach’s wie Gott, werde Mensch!

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Weihnachtszeit, in der sie für andere ein Segen werden können, in der sie andere als Segen erleben und sie den Segen Gottes für ihr Leben empfangen.

 

Audiobeitrag Maria-Mutter


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