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Ein blaues Kreuz
Tausende von Autofahrern sehen es jeden Morgen und Abend: Das Kreuz auf dem Turm der Dortmunder Nicolaikirche. Es besteht aus meterhohen blauen Neonröhren. Auf dem hohen
Kirchturm leuchten sie weit in die Dunkelheit hinein: ein Leuchtturm am Ruhrschnellweg. Ira Kersebaum bekommt ein warmes Gefühl, wenn sie daran denkt:
O-Ton: Ja, das blaue Kreuz ist für meine alte Familie, als ich noch Kind war, aber auch für meine eigene Familie jetzt immer ein Wegweiser oder ein Hinweis, wenn man die B1 aus Richtung Dortmund kommt: Wir sind bald zu Hause, da wohnen wir, da fühlen wir uns wohl.
Nachts leuchtet das blaue Licht des Kreuzes über dem ganzen Viertel dem Kreuzviertel. Dass dieser Name eigentlich von der benachbarten Kreuzkirche kommt, könnte man fast vergessen. Das Zeichen auf dem Turm kann niemand übersehen,...
O-Ton:...weil es tatsächlich wirklich ganz, ganz leuchtend strahlend blau ist. Und es ist ein ganz schlichtes Kreuz. Also man kann es eben sofort auch als Kreuz erkennen und wahrnehmen.
Ira Kersebaum ist Erzieherin. Sie leitet die Kindertageseinrichtung direkt neben der Nicolaikirche. Das Kreuz bedeutet für sie...
O-Ton:... ein Stück Heimat, ein Stück ja auch kirchliche Heimat, weil es eben auf dem Gebäude steht, auf dem Kirchengebäude, zu dem wir uns zugehörig fühlen.
In diesen Tagen wird die Nicolaikirche fünfundsiebzig Jahre alt. Als sie eingeweiht wurde, war sie eine Sensation: die erste deutsche Kirche, die nur aus Stahl, Beton und Glas bestand. Auch das Licht in ihr war neu. Tagsüber wurde sie durch ihre großflächigen bunten Fenster erleuchtet. Und am Abend war sie ein Bauwerk aus Licht: Neonlampen liefen bogenförmig die eine Wand hinauf, weiter über die Decke und auf der anderen Seite wieder herunter. Über dem Altar stand ein großes Lichtkreuz und strahlte von innen nach außen. Und auf dem Turm leuchtete schon 1930 das blaue Neonkreuz.
Wegweiser oben am Himmel. Orientierung. Wahrzeichen für die Heimat. Diese Einschätzung teilt Ira Kersebaum mit vielen Menschen. Und sie hat eine ganz persönliche Geschichte mit dem Kreuz:
O-Ton: Vor Jahren wurde auch einmal die Glocke ausgetauscht, die war kaputt. Da musste die alte Glocke runtergelassen werden mit einem Seilzug. In dem Moment, als ich gerade oben war und die Aussicht genoss, riss plötzlich das Flaschenzugseil, und die Glocke, die schon zu einem Drittel ungefähr unten war, fiel dann ganz runter, und das war ganz schön schrecklich, weil es einen furchtbaren Krach gab und der ganze Turm tierisch wackelte. Man hatte also das Gefühl, dass der Turm einstürzen würde und ich stand eben oben drauf und hab da auch ziemlich viel Angst in dem Moment gehabt und konnte dann erst nachher mit weichen Knien wieder runterklettern und war dann aber froh, dass unten niemand verletzt wurde.
Sollte man dem Kreuz also besser nicht zu nahe kommen? Das Kreuz oben am Himmel und ich mit beiden Beinen auf der Erde. Und mit genügend Abstand. Vielleicht ist das die beste Art, damit umzugehen? Alles andere könnte gefährlich werden. Ira Kersebaum sieht das anders. Dem Kirchturm mit seinen Glocken und dem blauen Kreuz fühlt sie sich weiterhin verbunden:
O-Ton: In dem Moment hab ich dann auch gedacht, vielleicht hat das Kreuz auch dafür gesorgt, dass der Turm nicht eingestürzt ist und hat uns ein bisschen beschützt, die wir da oben waren.
Ein blaues Kreuz
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