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Hoffnung für die Welt (Römer 8,18-25)
Gnade sei mit euch und Frieden von dem, der da war, der da ist und der da kommen wird, von Jesus. Amen.
Liebe Gemeinde, greift Gott in das aktuelle Weltgeschehen ein? Darüber reden wir im Konfirmanden-unterricht. Patrick, ein vierzehnjähriger Jugendlicher sagt: Wenn ich in der Kirche sitze, denke ich dauernd, ich wäre im falschen Film. Die Leute beten zum `lieben´ Gott, der Pastor predigt von Frieden und von der Liebe. Wie eine lovestory. Aber sobald ich aus der Kirche rauskomme, sehe ich den richtigen Film: Bürgerkrieg in Syrien, Christen-verfolgung in Ägypten, Drogen in der Schule, Streit in der Familie und mit Freunden. Wie ein Horrorfilm.
Wie ist die Realität? lovestory oder Horrorfilm? Wie passt die christliche Botschaft vom Frieden auf Erden, den Gott will, zusammen mit Gewalt und Leiden, von denen wir täglich hören und manchmal auch selber erleben?
Der Apostel Paulus stellt in seinem Brief an die Gemeinde in Rom unsere täglichen Erfahrungen der christlichen Hoffnung gegenüber. Tatsächlich so, als ob es zwei verschiedene Filme wären: Horrorfilm und lovestory.
Presbyterin: RÖMER 8 LESEN (ÜBERSETZUNG: NEUES LEBEN)
Ich bin aber davon überzeugt, dass unsere jetzigen Leiden bedeutungslos sind im Vergleich zu der Herrlichkeit, die Gott uns später schenken wird. Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf jenen Tag, an dem Gott offenbar machen wird, wer wirklich zu seinen Kindern gehört. Alles auf Erden wurde der Vergänglichkeit unterworfen. Dies geschah gegen ihren Willen durch den, der sie unterworfen hat. Aber die ganze Schöpfung hofft auf den Tag, an dem sie von Tod und Vergänglichkeit befreit wird zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt, wie unter den Schmerzen einer Geburt. Und selbst wir, obwohl wir im Heiligen Geist einen Vorgeschmack der kommenden Herrlichkeit erhalten haben, seufzen und erwarten sehnsüchtig den Tag, an dem Gott uns in unsere vollen Rechte als seine Kinder einsetzen wird und uns den neuen Körper geben wird, den er uns versprochen hat. Nachdem wir nun gerettet sind, hoffen und warten wir darauf. Denn wenn man etwas schon sieht, muss man nicht mehr darauf hoffen. Und was ist die Hoffnung auf etwas, das man schon sieht? Aber wenn wir auf etwas hoffen, das wir noch nicht sehen, müssen wir mit Geduld und Zuversicht darauf warten.
Pfarrer: Paulus stellt ganz realistisch fest: In dieser Welt gibt es Leiden, weil wir vergängliche Wesen sind. Das ist eben so. Weil Gott uns als Wesen geschaffen hat, die sterben müssen, deren Leben zeitlich begrenzt ist. Wir aber fragen oft nach: Warum ist dieses oder jenes so? Warum lässt Gott so etwas geschehen? Warum greift er nicht so ein, wie unser Herz oder unsere Logik es sich wünschen? Diese Warum-Fragen werden uns zeitlebens begleiten. Wir dürfen es uns jedoch mit ihnen nicht zu einfach machen. Ja, es gibt viel Elend auf der Welt, für das wir keine Erklärung finden.
Aber das meiste Übel fällt uns nicht einfach als Zufall vor die Füße. Ich finde es unredlich, Gott für Sachen verantwortlich zu machen, die wir Menschen verursachen. In Gottes Schöpfungsplan ist es nicht vorgesehen, dass politische Machthaber ihr eigenes Volk mit Giftgas bekämpfen. Wir wissen längst, wie unser Lebensstil die meisten Umweltkatastrophen verursacht, Überschwemmungen, Klimaänderungen, Waldbrände. Das können wir nicht Gott anlasten. Es sind keine von Gott zugelassenen Schicksalsschläge, sondern Resultate unserer Unfähigkeit, Gottes Schöpfung angemessen zu schützen. Uns Menschen fällt es oft leider schwer, unsere eigene Verantwortung wahrzunehmen. Gott hat uns Freiheit gegeben, wirkliche Freiheit. Wir sind nicht seine Marionetten. Er hat uns einen Verstand gegeben, Sinnesorgane und ein Herz, damit wir seinen guten Willen für die Welt umsetzen. Das Leiden in der Welt ist oft der Preis, den wir für diese Freiheit zahlen. Wir könnten weiterfragen: Warum hat Gott dann uns Freiheit gelassen, warum schenkt er uns Mündigkeit, warum würdigt er uns, Verantwortung übernehmen zu können? Ich kenne nur eine Antwort darauf: Weil er uns liebt. Denn wer liebt, der lässt Freiheit! Und geht das Risiko ein, dass Freiheit missbraucht wird. Gott ist dieses Risiko tatsächlich eingegangen! Und hat selber schmerzlich erlebt, wie es ist, dass wir Menschen unsere Freiheit grausam missbrauchen! Um das zu verstehen, müssen wir an Jesu Leiden und Sterben denken. Gott hat mitgelitten, als Jesus starb. Zu Unrecht verurteilt, verspottet, gefoltert, hingerichtet. Wenn jemand von uns nun sagt: Ich kann nicht mehr an Gott glauben, weil ich so viel Leiden in meinem Leben erlebt habe, dann darf er Gottes Antwort hören: Ich weiß auch, wie es ist, zu leiden. Ich habe meinen Sohn verloren. Ich weiß, wie dir zumute ist und verstehe dich. Deshalb kann ich dir ganz nahe sein.
Kurz bevor Jesus starb, schrie er Gott seine Warum-Frage entgegen. Warum hat sein Vater im Himmel dieses Sterben nicht verhindert? Dem alle Engel dienen er hätte die Möglichkeit gehabt. Wie oft haben wir so gefragt! Und schmerzlich nach Antworten gesucht. Aber sie wurden uns nicht zuteil. Fragen bleiben, Widersprüche bleiben. Sie sind schmerzliche Erinnerungen daran, dass wir noch nicht in Gottes Ewigkeit leben, sondern auf Erden, als zeitlich begrenzte Wesen. Jede Träne, die hier geweint wird, jede Krankheit, jeder Schicksalsschlag, erklärbare wie nicht erklärbare, sind solche schmerzlichen Erinnerungen.
Das Leiden dieser Welt: Zeichen der Vergänglichkeit, manchmal tatsächlich wie im Horrorfilm. Widerstandsfähiger gegen diesen Horrorfilm werden wir, wenn wir uns daran erinnern, dass Gott in Jesus Christus unser Leiden teilt. Jemand sagte einmal: Das Leiden kommt nicht einfach aus Gottes Hand, aber Gott kann es in seine Hand nehmen. Dieser Satz gefällt mir. Er hilft mir, meine Fragen im Leiden auszuhalten. Er motiviert mich, nicht zu resignieren. Und er ermutigt mich, Gott um Kraft zu bitten, dass ich zum Friedensstifter in dieser noch nicht vollendeten Welt werden möge.
MUSIK: HERR, MACHE MICH ZUM WERKZEUG DEINES FRIEDENS
Pfarrer: Der andere Film? Diese Liebesgeschichte, diese lovestory? Sie heißt: Die herrliche Freiheit der Kinder Gottes. Im letzten Buch der Bibel, in der Offenbarung des Johannes, wird die Dramaturgie dieses Films in Szene gesetzt. Mit wunderbaren Bildern: Keine Tränen mehr, keine Schreie von Opfern mehr, kein Krieg, keine Schmerzen. Himmel und Erde voller Frieden, selbst die Löwen werden friedlich neben den Schafen weiden, Gottes Gegenwart wird allen Tod auslöschen.
Die Menschen werden befreit sein von allem, was sie bedrückt. Es wird keine Vergänglichkeit mehr geben, keiner wird mehr fragen müssen Warum ist das so?, kein Volk wird mehr trauern müssen, und kein Mensch wird Krieg führen, denn die Waffen werden eingeschmolzen werden. Liebe wird sein, Frieden für alle, keine Opfer mehr. Eine Vision von Gottes neuer Welt. Eine Vision voller Hoffnung.
Ein Politiker sagte einmal: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen! Das klingt wie: Die Vision von Gottes neuer Welt ist reines Sonntagskino, ist fernab unserer Realität, die eher wie ein täglicher Horrorfilm abläuft.
Ich dagegen glaube fest daran, dass wir ohne Hoffnung gar nicht leben können. Paulus beschreibt seine Hoffnungsvision von Gottes neuer Welt deshalb nicht wie ein himmlisches Wolkenkuckucksheim, sondern beschreibt den Weg dorthin in einer medizinischen Sprache. Er vergleicht die Hoffnung mit der Geburt eines Kindes. Paulus spricht von Wehen, in denen unsere Welt liegt. Dieses Bild gefällt mir. Gottes neue Welt ist noch nicht geboren, aber die ersten Anzeichen der Geburt sind schon da! Wie eine gebärende Frau in regelmäßigen Abständen Schmerzwellen zu erleiden hat, so erleidet unsere gegenwärtige Welt Schmerzen. In der Zeit des Paulus war die Christenverfolgung durch das römische Reich eine kaum auszuhaltende Wehe. In unserer Zeit sind es Kriege, Naturkatastrophen, persönliches Leiden, die Panik vor dem atomaren Super-Gau: Wehen sind es.
Alles das, was wir wie ein Horrorvideo erleben, das sind schmerzhafte Anzeichen einer Neugeburt. Durch das Dunkel hindurch, durch das unerklärliche und durch das selbst gemachte Leiden hindurch geht es hin zu einer neuen Welt, zu Gottes Ewigkeit. Selbst das Sterben ist nicht ein Weg in irgendein geheimnisvolles Nirwana, kein endgültiges Zerfallen, sondern wird wie der Durchbruch sein zu etwas völlig Neuem. Der Tod der alten Welt wird sein wie eine Geburt. Kein Embryo im Mutterleib weiß, was ihn nach der Geburt erwartet. Er muss das bisherige Zuhause verlassen. Stress und wohl auch Angst überkommen ihn beim Geburtsvorgang. Und dann auf einmal erblickt er zum ersten Mal die Sonne, das Licht! Eine gebärende Frau hat Angst. Panik überkommt sie, sie muss heftig und stoßweise atmen. In früheren Zeiten stand öfter als heutzutage ihr eigenes Leben mit auf dem Spiel. Ohne ihre Hoffnung auf das neue Leben könnte sie das alles schwerlich ertragen. Doch tritt das Köpfchen des Kindes aus dem Geburtskanal heraus und zeigt sich, dann weiß sie: Das Warten hat sich gelohnt. Das Erdulden der Schmerzen hat sich ausgezahlt. Paulus schreibt: Ich bin davon überzeugt, dass unsere jetzigen Leiden bedeutungslos sind im Vergleich zu der Herrlichkeit, die Gott uns später schenken wird!
Und wir werden vollendete Kinder Gottes sein, und der Tod wird nicht mehr sein.
Liebe Gemeinde hier in Hösel und an den Radios, ich kenne Naturwissenschaftler, die zeichnen ein Bild von unserer Welt, die am Ende im völligen Chaos endet. Szenarien von einer explodierenden Sonne, von sich immer weiter ausbreitenden Molekülen, vom so genannten universalen Wärmetod. Ich bin froh, dass es auch die anderen Stimmen gibt, die daran erinnern, dass ohne eine ordnende Macht schon unser Universum gar nicht vorstellbar wäre. Und dass diese ordnende Macht, wir nennen sie Gott, unser Universum nicht dem Chaos überlassen wird. Beweise für all diese Theorien gibt es nicht. Aber eines weiß ich: Ich kann ohne Hoffnung nicht leben. Die Hoffnung macht mich zu einem Christen. Die Hoffnung auf Gottes neue Welt ohne Tränen, ohne Leiden, ohne Tod, ist das gute Ende einer lovestory. Der Liebesgeschichte Gottes mit seiner Schöpfung.
Dieser Film, diese Liebesgeschichte spornt mich an, gegen alle Horrorvideos dieser gegenwärtigen Zeit anzukämpfen.
Gott, dein Friede bewahre unsere Herzen und Sinne, in Jesus Christus, unserem Herrn und Bruder. Amen
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