Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

02.11.13; Andreas Duderstedt

"Ich kann nicht anders"

Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer! „Wer weiß, wann wohl was wär, welch wahre Zeit.“ Diese Worte lösen etwas aus. Als Sabine Feldwieser sie hört, horcht sie auf.

Der Mann, der sie gesagt hat, ist geistig behindert.

Die Diplompsychologin Sabine Feldwieser arbeitet seit 20 Jahren mit behinderten Menschen. Als Kunsttherapeutin malt und zeichnet sie mit ihnen. Da kommen überraschende Talente zum Vorschein. Doch das Malen von Bildern liegt nicht allen, manche wollen sich anders ausdrücken. Friedrich zum Beispiel ist einer, der nie einen Pinsel in die Hand nimmt. Er sagt nun: „Wer weiß, wann wohl was wär, welch wahre Zeit.“ Sabine Feldwieser wiederholt das, Friedrich strahlt. Gemeinsam sprechen sie den Satz mit den vielen W’s immer wieder, betonen ihn mal so, mal so. Sie haben Spaß dabei. Sabine Feldwieser erkennt: Friedrich ist ein verkappter Philosoph. Sprache ist seine künstlerische Ausdrucksform. In seiner Freude, Worte zu finden und mit ihnen zu spielen, in seiner Fähigkeit zu denken, ist er völlig unterfordert.

So oder ähnlich geht es auch anderen Menschen mit Behinderungen. Doch sie werden nach dem Ende der Schulzeit in Sprache und Schreiben nicht mehr gefördert. „Leute, mit denen ich denken kann, find ich Klasse“, sagt Friedrich. „Das war der Motor für mein Engagement“, ergänzt Sabine Feldwieser. Sie hat bis heute darin nicht nachgelassen. Die Psychologin regt Menschen wie Friedrich zum Schreiben an, zur Poesie, zur Literatur. Und regelmäßig veranstaltet sie Literaturwettbewerbe für geistig Behinderte.

So wie Sabine Feldwieser aus Bielefeld engagieren sich noch mehr Menschen – auf ungewöhnliche Art. Sie setzen sich mit Ideen, Zeit, Kraft und Energie ein für ein menschenfreundliches Projekt. Dabei handeln sie, bewusst oder unbewusst, nach dem biblischen Gebot: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Denn sie tun nicht nur etwas für andere, sondern auch für sich. Wer sich so einsetzt, merkt: Das tut mir gut.

Vielleicht kennen Sie, liebe Hörerin, lieber Hörer, auch solche Menschen. Vielleicht finden Sie, dass man ihnen mal „Danke“ sagen sollte. Dazu gibt es jetzt Gelegenheit. Denn genau das will eine Aktion des evangelischen Monatsmagazins chrismon: Menschen wie Sabine Feldwieser ein Gesicht geben. Die Aktion heißt: „Ich kann nicht anders.“ Martin Luther werden die Worte zugeschrieben: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.“ Luther leistete vor 500 Jahren Widerstand gegen Missstände in der Kirche. Und hielt stand, trotz Gegenwind. Er konnte nicht anders.

So wie die Menschen, um die es geht in der Aktion „Ich kann nicht anders“. Sie engagieren sich, weil sie überzeugt sind: Das ist jetzt notwendig. Wissen Sie jemanden, der Sie beeindruckt, weil er zur Stelle ist, wenn andere Hilfe brauchen? Dann können Sie diese Person für die Aktion „Ich kann nicht anders“ vorschlagen. Im Internet, auf der Homepage www.ichkannnichtanders.de werden diese tatkräftigen Helferinnen und Helfer dargestellt. So erhalten diese ein öffentliches Dankeschön.

Noch einmal die Internet-Adresse, auf der Sie alles Weitere finden: www.ichkannnichtanders.de. Vielleicht, liebe Hörerin, lieber Hörer, schlagen Sie dort heute jemanden vor, für den gilt: „Ich kann nicht anders.“ Ihr Andreas Duderstedt aus Bielefeld

 

Audiobeitrag "Ich kann nicht anders"


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