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Vielfalt - ein Gewinn!
Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer! Neulich in der Kirche. Laute Musik empfängt mich. Vier Jugendliche stehen vor dem Altar, ein Mädchen singt,
die Bassgitarre dröhnt, die elektronische Orgel hüllt alles in einen dicken Klangteppich. Der Pastor im bunten Pullover richtet freundliche Worte an die Gemeinde, es gibt Theaterspiel, Jugendliche lesen aus der Bibel in moderner Übersetzung, singen neue Lieder. Wir feiern Abendmahl mit Baguette und Traubensaft aus Tonbechern.
Neulich in der Kirche. Die Orgel spielt ein Stück von Johann Sebastian Bach. Der Pastor im schwarzen Talar sagt: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir singen: Tut mir auf die schöne Pforte. Eine ältere Dame liest aus der Bibel in Martin Luthers Übersetzung. Der Pastor steigt auf die Kanzel und predigt. Anschließend singt er: Erhebet eure Herzen, und die Gemeinde antwortet: Wir erheben sie zum Herren. Wir feiern Abendmahl mit Oblaten und Wein aus silbernen Kelchen.
Nur zwei Beispiele. So ist Kirche. So und noch ganz anders. Die evangelische Vielfalt ist bunt und groß. In der Art und Weise, Gottesdienst zu feiern. Aber auch in Überzeugungen und Standpunkten. Manche widersprechen sich. Einige verstehen die Bibel wörtlich. Andere sagen: Das mit der Auferstehung Jesu, das ist nur Sinnbild, es bedeutet: Jesus lebt als Ideal weiter. Und dann noch die verschiedenen Gruppierungen: lutherisch, reformiert, uniert. Wer soll sich da auskennen
Ist sie also ein zerstrittener Haufen, diese evangelische Kirche? Ein merkwürdiges Gebilde, in sich aufgespalten, bei dem man nicht weiß, woran man ist? ---
Ja, es gibt unterschiedliche Traditionen. Evangelische Christen leben ihren Glauben verschieden. Spannungen gibt es auch. Und es gelingt nicht immer, sie zu überwinden. Nicht immer ist es leicht, die Vielfalt als Gewinn zu erfahren.
Und doch: Es ist möglich. Die Vielfalt, die zahlreichen Positionen und auch die Gräben dazwischen all das gab es schon ganz am Anfang, als die christliche Kirche gerade entstand. Der Apostel Paulus hat es erlebt. Vor fast 2000 Jahren gründete er viele Gemeinden. Er wollte die Vielfalt produktiv nutzen. In einem Bild vergleicht er die Kirche mit dem Körper, dessen Organe alle ihre besondere Aufgabe haben.
Sprecherin: Wenn das Ohr erklären würde: "Ich bin kein Auge, darum gehöre ich nicht zum Leib!", es gehörte dennoch dazu. Angenommen, der ganze Körper bestünde nur aus Augen, wie könnten wir dann hören? Oder der ganze Leib bestünde nur aus Ohren, wie könnten wir dann riechen? (
) Was für ein sonderbarer Leib wäre das, der nur einen Körperteil hätte! Aber so ist es ja auch nicht, sondern viele einzelne Glieder bilden gemeinsam den einen Leib.
(1 Kor 12,16-17+19-20 Übersetzung Hoffnung für alle)
Autor: Ein Organismus, dessen einzelne Teile zusammenwirken. Das ist das Ideal einer Gemeinde, das Christinnen und Christen vor Augen haben. Auch wenn die Wirklichkeit oft genug anders aussieht: Das Ziel, die Vision, kann ein Ansporn sein. Ein Ansporn, die Vielfalt als Reichtum zu verstehen und zu nutzen. Wie gut, dass es Gottesdienste in neuer und in traditioneller Form gibt. Wie gut, dass Spannungen ausgehalten werden. Das Modell heißt: versöhnte Verschiedenheit.
Wenn christliche Gemeinden das überzeugend leben, wenn sie ihre Unterschiede gegenseitig gelten lassen, aufeinander hören und voneinander lernen dann strahlt die Kirche aus in die ganze Gesellschaft. Dieses Modell der versöhnten Verschiedenheit könnte den Weg weisen nicht nur in der Kirche.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie heute Vielfalt als Reichtum erfahren. Ihr Andreas Duderstedt aus Bielefeld.
Vielfalt - ein Gewinn!
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