PINK
Ich muss den Zeitpunkt verpasst haben, an dem Mädchen von ganz normalen Mädchen, zu pink-farbigen Prinzessinnen mutiert sind.
Es muss irgendwann in den letzten 15 Jahren passiert sein. Vielleicht war ich zu stark mit der Aufzucht meiner Söhne beschäftigt. Jetzt aber, mit einer kleinen Patentochter an der Seite, erlebe ich einen Farbschock. Glitzer, Blümchen, Plüsch und Pink, wo das Auge hinblickt. Ponys mit gelockter Glitzermähne, gebogenen Riesenwimpern und rosa Plastik-Fell, Prinzessinnenkleid in neonrosa mit Feenflügeln und Plastikdiadem sind Augenkrebs verdächtig. Selbst das Ü-EI blieb nicht verschont.
Gegen die Farbe PINK ist ja noch nicht einmal etwas einzuwenden. Dosiert eingesetzt hat die provozierende Schwester von Rosa gutes Potenzial. In der Farbpsychologie steht Pink für die Begriffe Präsenz, Gesehen werden und Dominanz.
In zwei Haftanstalten in Nordrhein-Westfalen experimentiert man gerade mit rosa Gefängniszellen. Rosa soll beruhigend und aggressionshemmend wirken. Dem Farbton "Cool Down Pink" sagt man sogar eine blutdrucksenkende Wirkung nach. Pink ist außerdem in, deswegen macht sie auch vor der Männerwelt nicht halt. Fußballvereine wie Schalke 04 oder auch Juventus Turin haben diese Farbe für Ihre Trikots entdeckt. Die Modemacher scheint es nicht zu stören, dass PINK in der Beliebtheitsskala von Farben bei Männern ganz unten rangiert.
Was mich an dieser pinken Kitschwelt für Mädchen stört ist, ja nicht die Farbe alleine, sondern die Reduzierung die damit verbunden ist und die Geschlechtertrennung durch Textil- und Spielwarenhersteller. In der Genderforschung spricht man von der Pinkifizierung. Prinzessin Lillifee, ist die prominenteste Vertreterin der Pinkifizierung. Sie reduziert Mädchen auf einen Stereotyp. Lillifee ist niedlich, hat einen roten Kussmund, eine Wespentaille, trägt nur Kleidchen, pudert sich gern das Näschen und backt Kuchen. Was waren das noch Zeiten als lediglich Barbie und ihre kitschig, bonbonpinke Welt das Frauenbild verzerrte
Um diesem Rückschritt zu stoppen, gibt es die Kampagne Pinkstinks. Diese Kampagne macht auf Produkte und Werbeinhalte aufmerksam, die Mädchen eine eingeschränkte Geschlechterrolle zuweisen. Sie werben für ein kritisches Medienbewusstsein, für Selbstachtung, ein positives Körperbild und alternative weibliche Rollenbilder für Kinder.
Jungs sind von der Geschlechtertrennung und Einteilung in festgelegte Rollen, die die Spielzugindustrie seit Jahren leidenschaftlich betreibt, genauso betroffen, denn nicht jeder Junge will Kapitän auf einem Piratenschiff werden oder gegen dunkle Kräfte im All kämpfen.
Ursprünglich war das anders gedacht. Gott mag es bunt, niemals eindimensional. Das hat er mit seiner Schöpfung tausendfach bewiesen und mit jedem neuen Menschen auf dieser Erde beweist er es wieder. Wir Menschen sind bunt. Keiner ist wie der andere. Manchmal scheint es mir sogar so, als habe Gott eine kleine Schwäche für bunte Paradiesvögel. Bekennen wir Farbe und bedienen wir nicht irgendwelche Stereotype, weder in unserem Leben noch im Leben unserer Kinder. Göttliche Unterstützung ist uns gewiss.
PINK
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