Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.10.13; Pfarrer Joachim Gerhardt

Voller Fang

Manchmal lohnt es sich, Dinge zu tun, die erst einmal völlig absurd wirken. „Fahrt noch mal raus, mitten auf den See, und werft wieder eure Netze aus“,

spricht Jesus zu Petrus. Die Fischer waren gerade erst draußen auf hoher See gewesen. Und ein erfahrener Seemann weiß: Fische fängt man besser nachts als am helllichten Tag. Was die Bibel hier erzählt, das ist also ein total unsinniger Auftrag.

Noch mal aufstehen? Noch mal die Netze klar machen und raus? Und das, wo schon die letzte Fahrt so erfolglos war? Das Kopfschütteln der Fischer ist nur allzu verständlich.

Aber diese Geschichte gegen jede Vernunft wird zu einer Erfolgsgeschichte. Denn irgendwas lässt Petrus und seine Leute aufhorchen und sie rudern doch noch einmal hinaus. Und? Sie machen vollen Fang. Und zwar so viel, dass die Netze zu reißen drohen.

„Der wunderbare Fischzug“ des Petrus heißt diese Geschichte in der Bibel. Sie hat für mich drei Botschaften. Erstens: Da denke ich, das war´s, das Projekt ist gestorben, ich bin am Ende, jetzt ist alles vorbei – und es geht doch weiter. Scheitern und Erfolg liegen manchmal eng beieinander. Bei Petrus sind es sogar nur wenige Stunden.

Zweitens: Erfolg im Leben ist nicht immer planbar. Oft ergibt er sich einfach. Und dann ist Erfolg einfach Glück. Sicher, ich kann etwas tun. Ich kann mich für eine Sache einsetzen. Aber der Erfolg ist wie ein Geschenk. Ich kann damit nicht rechnen. Und das sind ja irgendwie die schönsten Geschichten im Leben.

Die dritte Botschaft hat für mich nun vor allem mit Gott zu tun. Denn ich glaube: Da, wo ich Gott vertraue, bleibt das nicht ohne Folgen. Ich durchbreche meine ganz normalen Erfahrungen. Das Leben ist nicht nur das, was ich selber kann: mal gelingt etwas, mal nicht. Wenn Gott ins Spiel kommt, wird alles anders. Ich gewinne etwas hinzu. Und wenn es nur der Zugewinn ist, dass ich einfach mal an Gott abgeben kann, was mir nicht gelingt.

Die Geschichte von Petrus und seinen vollen Netzen ist eine irre Geschichte. Eigentlich kaum zu glauben. Aber das eine kenne ich eben doch von mir: Ich bin gut vorbereitet, ich tue alles, was ich kann. Und doch komme ich an meine Grenzen. Und dann wünsche ich mir, dass ich ein Ohr dafür habe, was Gott mir sagen will.

So wie Petrus. Warum hat der sich auf Jesus eingelassen? Vielleicht war seine Not so groß, aus purer Verzweiflung sozusagen. Vielleicht war es auch die Sehnsucht nach neuen Erfahrungen. Eine Sehnsucht, den Trott des Alltags zu überwinden. Auf jeden Fall, am Ende ist alles richtig. Der Erfolg ist da, die Netze sind voll.

Das, was ich selbst nicht schaffe, lege ich in Gottes Hand. Dass ich das tun kann, entlastet mich. Eine tolle Erfahrung. Und manchmal schenkt Gott mir schon damit reichen Ertrag, vollen Fang, so wie Petrus. Dann freue ich mich und danke Gott.

 

Audiobeitrag Voller Fang


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