Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.10.13; Pfarrer Joachim Gerhardt

Asterix und der Widerstand

„Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein. Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.

Und das Leben ist nicht leicht für die römischen Legionäre ...“ – Erkannt? So beginnt jede Asterix und Obelix-Geschichte. Die munteren Gallier haben mich seit Kindertagen begeistert.

Mir taten als junger Leser allerdings die Legionäre schon ein wenig Leid. In fröhlicher Regelmäßigkeit bekamen die römischen Truppen rund um das legendäre gallische Dorf einen auf den Deckel, besser gesagt auf den Helm. Heute weiß ich: Sie hatten nur die Aufgabe, den römischen Frieden zu bewahren. Die so genannte „Pax Romana“. Das Leitbild für ein Weltreich, das Maßstäbe gesetzt hat, von der militärischen Strategie bis zum Straßenbau.

Doch der Widerstand der aufsässigen Gallier, so lese ich das heute, ist kein fröhlicher Zeitvertreib. Er hat für mich eine Botschaft: Es gibt einen Frieden, gegen den man Widerstand leisten muss. Weil er ein Frieden ist, der ehrlich betrachtet nur ein Frieden der Starken und Mächtigen ist.

Und ich frage mich: Gibt es das nicht auch heute? Eine Art „Pax Romana“, einen Frieden, der nur von denen gemacht wird, die stark sind, wirtschaftlich und politisch? Und wenn es mir gut geht – ist mein beschauliches Leben in Ruhe und Frieden wirklich schon Frieden?

Frieden heißt in der Bibel auf Hebräisch „Schalom“. Das ist der Frieden der kleinen Leute, der Rechtlosen, der Witwen und Waisen. Frieden ist, wenn das Leben heil ist, wenn alle satt sind, wenn Menschen frei sind und leben können. Schalom, das hat auch Jesus gepredigt. Und ich höre den Auftrag, mich nach Gottes Frieden auszurichten. Mich einzusetzen für Menschen, die im Dunkeln sitzen. Menschen, die verfolgt und bedroht sind, weil sie sich nicht auf der sicheren Seite einer mächtigen Mehrheit befinden.

Die Börsen fordern Ruhe und Sicherheit, sonst floriert die Wirtschaft nicht, heißt es. – Aber Ungerechtigkeit löst Bürgerkriege aus. Menschen fliehen vor Armut und Gewalt. Sie ertrinken auf ihrer Flucht im Mittelmeer. Jetzt wieder die vielen Toten vor der der Küste von Lampedusa. Die Bilder im Fernsehen haben mich schockiert. Für diese Menschen gibt es leider keinen Zaubertrank.

Oder: Alles Fremde gefährdet den inneren Frieden in unserem Land, heißt es an deutschen Stammtischen. Wenn der rechte Mob sich mit dumpfen Parolen zusammenrottet, mir macht das Angst – Und es gibt leider keinen Zaubertrank für Menschen, die sich entschlossen dagegenstellen.

Aber weil es keinen Zaubertrank gibt, sollen diese Menschen wissen: Ich stehe als Christ auf ihrer Seite, und viele andere hoffentlich auch! Ich möchte mich dafür einsetzen, im Gebet, aber auch in Wort und Tat, dass nicht ein Frieden der Lauten und Mächtigen den Ton angibt. Ein Frieden, der vor allem Besitz und Reichtum sichern will.

Wirklich Frieden, Schalom, ist erst dann, wenn die Stummen und Schwachen etwas von ihm haben. Und solange dieser Frieden nicht da ist, braucht es unbeugsame Menschen, die nicht aufhören, Widerstand zu leisten.

 

Audiobeitrag Asterix und der Widerstand


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