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Die innere Stimme (Micha 6,8)
Manchmal kann vermeintlich Schwieriges ganz einfach sein. Und manchmal ist das, was einfach scheint, viel komplizierter, als gedacht.
Zum Beispiel: So leben wie es Gott gefällt. Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer. Allein im Alten Testament zählen die Gelehrten 613 Gebote. Sie alle zu kennen ist vielleicht noch möglich, aber sie alle zu jedem Zeitpunkt vor Augen haben wer kann das? Sie stets alle zu beherzigen, wer ist dazu in der Lage? Noch komplizierter wird es, wenn ein Gebot dem anderen zu widersprechen scheint. Du sollst nicht stehlen. Aber was ist mit dem Vater, der eine hungernde Familie zu Hause hat und keinen Erwerb? Du sollst nicht lügen, ja. Aber was ist mit dem Arzt, der weiß, dass die Wahrheit seinen Patienten schlicht umhauen wird? Die Gebote Gottes halten muss ich da stets mit der Heiligen Schrift unter dem Arm umherlaufen, damit ich bei einer schwierigen Entscheidung erst einmal nachschlagen kann?
Schon immer haben die Menschen nach einem einfacheren Weg gesucht. Einen Weg, den Gott selbst zeigt: Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was Gott von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott
so steht es beim Profeten Micha im sechsten Kapitel. Der Mensch weiß in seinem tiefsten Innern, was Gott von ihm will. Er trägt eine Stimme in sich, die ihm das sagt. Jeder Mensch kennt diese innere Instanz. Die soll ihn leiten, meint Micha. Nicht die vielen Stimmen, die von außen auf einen einstürmen und einen bevormunden wollen. Es ist dir gesagt Mensch, was Gott von dir fordert. Du weißt es, du spürst es, du trägst dieses Wissen in dir.
Nicht allen ist es recht, wenn Menschen innerlich frei und unabhängig sind. Mir kommt es manchmal so vor, als wären zahlreiche Kräfte am Werk, die die innere Stimme des Menschen zum Verstummen bringen wollen. Durch Ausreden: Wir müssen zuerst für uns selbst sorgen, hier ist kein Platz für andere. Durch Werbepalaver: Kauf dies, wünsch dir jenes, es macht dein Leben reich. Ja, sogar durch vermeintliche Glaubenssätze: Das Leben eines Ungläubigen zählt weniger als ein heiliges Ziel. Vor allem aber durch eine Flut von Informationen, in der meine Seele manchmal beinahe zu ertrinken droht. Ich höre, lese, ich sehe so viel. Ich bin über alles im Bilde. Doch was soll ich tun? Worauf kommt es wirklich an? Oft weiß ich es nicht.
Wie schwierig ist es, meine innere Stimme überhaupt zu vernehmen! Und wie mühe ich mich ab, wenn ich zu innerer Klarheit gelangen will! Innehalten und Schweigen. Das fällt mir schwer. Nur mit Mühe kann ich das Geplapper um mich herum abstellen. Einmal eine Stunde der Stille aushalten, ohne mich abzulenken mit etwas, was ich gerade doch noch tun und erledigen kann
das erfordert ganz schön viel Disziplin!
Eigentlich ist der Sonntag dazu der richtige Tag. Der Übetag zum Stillwerden, sozusagen. Möglicherweise hat Gott ihn gerade dazu gemacht. Hat diese Lücke im Terminkalender gelassen, damit die Menschen die Gelegenheit finden, den Lärm um sie herum abzustellen. Den inneren Aufruhr abklingen zu lassen, und endlich wieder einmal die Stimme zu hören, die leise und beharrlich in unserem Inneren spricht. Liebe deinen Nächsten. Bedrücke den Fremdling nicht, der bei dir Schutz sucht. Wo sich die Möglichkeit eröffnet, mach einen Schritt zum Frieden hin. Es ist dir gesagt Mensch, was Gott von dir will: Sein Wort hören, Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Stille finden und in der Stille die Stimme Gottes hören. Vielleicht gelingt es Ihnen und mir heute. Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen, Pfarrer Ulrich Pohl aus Neuss.
Die innere Stimme (Micha 6,8)
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