In Frieden lege ich mich hin
Liebe Hörerin, lieber Hörer! Ich schlafe in der Regel gut. Dafür bin ich dankbar. Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist.
Ein guter Freund hat mir erzählt, dass er oft wach liegt und sich müde hin und her wälzt. Das Denken und Grübeln kann er nicht lassen, und sein Körper findet nicht in den Schlaf. Viele nehmen die Aufregungen und Sorgen des Tages mit ins Bett.
Dabei ist guter Schlaf so wichtig. Die Schlafforscher haben gezeigt, dass in unseren Gehirnen nachts eine Menge los ist. Da wird alles verarbeitet, was wir am Tag erlebt haben. Im Traum tauchen dann Orte, Menschen und Gefühle vom Tag auf und werden ganz unerwartet neu kombiniert und in manchmal absurden Szenen weitergeführt. So räumt unser Gehirn auf.
Schlafen ist also eine kuriose Angelegenheit. Unser Gehirn ist nachts im Schlaf sehr aktiv. Doch diese ganze Betriebsamkeit in unserem Kopf entzieht sich unserem Willen und unserer Anstrengung. Und das ist doch gut: Für diese Aufräumarbeiten, müssen wir uns gar nicht anstrengen. Das Besondere ist: Schlaf können wir nur zulassen. Einschlafen erfordert ein entspanntes Loslassen. Und das ist an so manchen Abenden alles andere als leicht.
Wenn Menschen am Tag gestritten haben oder vor schwierigen Entscheidungen stehen, dann liegen sie im Bett und gehen im Geiste wieder und wieder diese Situationen durch.
Sorgen um die Arbeit oder um Familie und Freunde, dazu die Fernsehbilder von den Krisenherden dieser Welt - das alles kann den Schlaf rauben. Da klingt ein Vers aus den Psalmen der Bibel so trostvoll. In Frieden lege ich mich hin und schlafe ein, so heißt es in Psalm 4. - Und der Mensch, der das geschrieben hat, war keineswegs auf Rosen gebettet, wie man vielleicht denken könnte. Er wird verfolgt und angeklagt. Rufschädigung, Lüge, Verleumdung dieser Beter hat keinen leichten Stand. So vieles könnte ihm den Schlaf rauben. Aber es ist anders. Er sagt trotz allem: In Frieden lege ich mich hin und schlafe ein.
Geborgenheit, das ist es, was für mich aus diesen Worten spricht. Die Probleme sind nicht gelöst. Sie sind noch da. Es ist auch noch keine Lösung in Sicht. Aber es ist Vertrauen da, Vertrauen darauf, dass sich mit Gottes Hilfe ein Lösungsweg finden lässt.
Wer sich im Frieden und im Vertrauen auf Gott hinlegen kann, muss schon wirklich schöne Erfahrungen gemacht haben. Deshalb kann er sich auch in seiner Not hinlegen und sagen: Ich kann doch in Frieden ausruhen. Solches Vertrauen wächst aus Erfahrungen. Gott hat mir schon früher beigestanden, deshalb rechne ich auch jetzt mit ihm. Und nun: Gute Nacht! - Aber Moment. Das Problem war doch, dass gerade in den schlaflosen Nächten die Hoffnung abhanden kommt. Was also tun? Woher soll die Geborgenheit kommen mitten in der ruhelosen Nacht, mitten in der Sorge. Ich glaube, wenn uns Gewissheit, Geborgenheit und Vertrauen abhanden kommen, dann müssen wir uns von Anderen Stärkung holen. In Frieden lege ich mich hin und schlafe ein. Denn du Gott sorgst dafür, dass ich sicher wohne, so sagt es der Psalm 4 und seine Worte können wir uns leihen. Schon seit Jahrhunderten borgen sich Menschen solche alten Worte. Wir leihen uns also den Glauben eines anderen aus, und es kann sein, dass sich dann bei uns selbst etwas verändert.
In Frieden lege ich mich nieder und schlafe ein. Denn du Gott sorgst dafür, dass ich sicher wohne. Versuchen Sie es heute Abend mal, wenn Ihnen wieder so viel durch den Kopf spukt. Doch jetzt erst einmal einen guten Tag wünscht Ihnen, Ihr Pfarrer Bernd Becker aus Bielefeld.
In Frieden lege ich mich hin
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