Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.10.13; Pfarrer Bernd Becker

Murphys Gesetz

Guten Morgen liebe Hörerin, guten Morgen lieber Hörer! Ein Regentag im Frühjahr. Ich habe eine Autopanne. Mitten in der Pampa. Eigentlich eine schöne Strecke. Eigentlich.

Aber jetzt ist es kalt und nass. Und das Auto ist einfach ausgegangen. Und es springt nicht mehr an. Also den Pannendienst anrufen und den anstehenden Termin absagen. Den schaffe ich nicht mehr rechtzeitig. Warnblinker ist an, Warndreieck steht. Jetzt heißt es Warten. Aber nicht im Wagen, denn der steht ungünstig in einer Kurve am Berg. Wenn was schief geht, dann richtig.

Murphys Gesetz, sagt man dazu.

Der Tag hatte schon vor der Panne schlecht begonnen. Anstatt die Landschaft genießen zu können, musste ich ein anstrengendes Telefonat führen. Und jetzt das.

Nach fast zwei Stunden kommt der Abschleppwagen, und es geht zunächst in die Werkstatt. Die Begrüßung der jungen Frau an der Information kann kaum trösten: „Dieses Auto hat eigentlich keine Pannen“. Tja, eigentlich. Aber heute gilt eben Murphy‘s Gesetz. Die Kabel im Motorraum sind defekt. Und das wird teuer. „Das kommt sehr selten vor“, sagt die junge Frau. Na, immerhin.

Nach geschlagenen zehn Stunden stehen Wagen und Fahrer wieder da, wo es morgens um acht losging. Das Konto um einen erheblichen Betrag erleichtert. Nichts erreicht, nichts geschafft, nasse Klamotten, Zeit vertrödelt, viel Geld bezahlt. Ein verlorener Tag.

Erst am Abend mischen sich andere Gedanken unter die trübe Bilanz.

Die Menschen waren an diesem Tag unglaublich freundlich und hilfsbereit. Fast jeder, der im Regen vorbei kam, stoppte, bot Hilfe an, fragte nach. Es gab sogar aufmunternde Worte: „Seien Sie froh, letzte Woche hatten wir hier minus zehn Grad.“ So kann man es auch sehen. Der junge Mann vom Abschleppdienst versuchte mich aufzumuntern, und die Mitarbeiter der Werkstatt haben mich kompetent beraten. Und vor allem: Leib und Seele blieben unversehrt. Das mit den Kabeln war gefährlich, wurde mir beteuert. Es hätte einen Motorbrand geben können. Die Kurve, wo der Wagen stehen blieb, war tückisch. Aber es ist nichts passiert. „Seien Sie froh“, klingt es nach. Ja, was war eigentlich passiert? Nichts Schlimmes. Und so wurde am Ende doch noch ein guter Tag daraus. Im Alten Testament heißt es einmal: „Lobe den Herrn, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ - Ja, das ist eine gute Aufforderung! Denn manchmal vergesse ich, was mir Gutes geschehen ist. Einfach, weil es überdeckt wird, von all den ärgerlichen und nervigen und manchmal auch traurigen Momenten eines Tages. Mir hilft es dann, jeden Tag einen Augenblick darüber nachzudenken, was mir Gutes widerfahren ist, was Gott mir auch Gutes getan hat. Und das ist meistens ganz schön viel. Allein schon, dass ich atmen kann, dass ich aufstehen konnte, dass ich genug zu essen habe. Dazu die Menschen an meiner Seite. „Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“. Das kann negative Erlebnisse und trübe Gedanken verscheuchen. Und das ist nicht einfach positives Denken, sondern der Glaube daran, dass Gott mir jeden Tag viel Gutes schenkt. „Count your blessings“, so sagen es die Engländer. Zähle die Dinge, mit denen du gesegnet wurdest, die gut sind. Das gelingt nicht immer. Es gibt sie, die ganz schlimmen Tage. Und dennoch ruft uns die Bibel auf: „Lobe den Herrn, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“

Einen guten Tag wünscht Ihnen, Pfarrer Bernd Becker aus Bielefeld.

 

Audiobeitrag Murphys Gesetz


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