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Wie geht`s?
Guten Morgen liebe Hörerin, guten Morgen lieber Hörer! Wie geht es Ihnen? - Wie antworten Sie, wenn Ihnen jemand genau diese Frage stellt? Wie geht es Ihnen?
zu Hause am Frühstückstisch, im Auto, in der Straßenbahn, in den Büros und Produktionshallen?
Muss ja!, sagt man im Ruhrgebiet kurz und knapp. Am besten gut, hört man auch manchmal scherzhaft. Wir antworten anscheinend nicht gern auf diese Frage. Meist ist ja auch zu wenig Zeit oder die Gelegenheit nicht passend, um zu erzählen, was wirklich los ist. Und ich weiß ja nicht, ob mein Gegenüber tatsächlich eine ehrliche Antwort hören will - oder ob er nur höflich ist.
In den USA ist es üblich, auf die Frage Wie geht es Dir? einfach mit der Gegenfrage zu antworten: Danke, und wie gehts Dir? - Hier bei uns in Deutschland gibt es noch eine beliebte Antwort: Danke, ich kann nicht klagen! Ich frag mich immer, was das bedeutet. Es klingt so, als wäre der Moment gerade nur eine Ausnahme, nur eine kurze glückliche Phase, die gewiss nicht lange anhält. Ich kann gerade nicht klagen. Nochmal Glück gehabt. Und man atmet einen Moment lang auf. Danke, ich kann nicht klagen! - Das klingt so, als gäbe es eigentlich immer mehr Grund zur Klage als zur Freude oder zum Danken.
Und tatsächlich geht es mir ja nicht immer gut. Es gibt Tage und Zeiten, da habe ich viel Grund zum Klagen. Und da tut es gut, wenn jemand fragt: Wie geht es Dir? - und wenn man dann auch wirklich davon erzählen kann. Da tut es gut, mit jemandem zu sprechen, und sich all das, was belastet und traurig macht, einmal von der Seele zu reden.
Und nicht zuletzt tut es gut, wenn ich all das vor Gott bringen kann. Es ist befreiend, wenn ich zu ihm mit den Worten aus dem Vater Unser beten kann: Erlöse mich von dem Bösen! - Erlöse mich von all dem, was mich beschwert, von all dem, was mich traurig macht und was mich klagen lässt. Ich kann nicht klagen, das lässt Gott nicht gelten.
Aber wie ist das mit dem Danken? Wie ist das mit den Zeiten, in denen es mir gut geht, in denen ich allen Grund habe, fröhlich zu sein, in denen einfach alles gut läuft?
Vergiss nicht zu danken, dem ewigen Herrn, er hat Dir viel Gutes getan. So heißt es in einem Kirchenlied. Ich höre in diesen Worten weniger eine Ermahnung als vielmehr eine Aufmunterung: Lass es Gott wissen, wenn du einfach nur glücklich und fröhlich bist. Und sei ihm dankbar für dieses Gefühl, für das, was er dir Gutes getan und gegeben hat. Schränke dieses Gefühl nicht immer gleich wieder ein; denk nicht immer schon wieder an die Zeiten, in denen es wieder schlechter gehen könnte. Bleib doch ein bisschen bei diesem schönen Gefühl. Und erzähl` den Menschen, denen Du begegnest, auch davon.
Wie geht es Dir? Danke, ich hab allen Grund mich zu freuen, und ich will Dir davon erzählen. Danke, es geht mir gut, ich bin wieder gesund. Danke, meine Arbeit macht mir Spaß. Danke, ich genieße meinen Ruhestand und mein Hobby. Der Garten macht mir Freude, es tut gut, wieder rausgehen zu können.
Vergiss nicht zu danken, dem ewigen Herrn, er hat Dir viel Gutes getan. Und vergiss nicht, auch davon zu erzählen im Büro, beim Einkaufen, auf der Straße. Dass Sie heute Menschen begegnen, die ein Ohr für Ihre Klagen haben, wenn Sie Grund haben zu klagen und die sich mit Ihnen freuen, wenn es Ihnen gut geht, wünscht Ihnen Pfarrer Bernd Becker aus Bielefeld.
Wie geht`s?
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