Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.10.13; Pfarrer Bernd Becker

Montag

Guten Morgen liebe Hörerin, guten Morgen lieber Hörer! „Ich hab Montag“, heißt es manchmal scherzhaft statt „Ich hab Rücken“. Soll heißen: Mir geht es heute nicht gut.

Der Montag hat keinen guten Ruf. Die neue Arbeitswoche beginnt. Oder die Schule geht wieder los. Von einem Montagsauto sprechen wir manchmal, wenn der PKW immer wieder Probleme macht. Man kann es aber auch anders sehen. Montag: Das ist ein Tag, an dem was Neues anfängt. Die Woche liegt noch wie ein unbeschriebenes Blatt vor mir. „Jeden Tag werden die Karten neu gemischt“, sagt meine Cousine immer. Und jeden Montag sowieso.

Das sind sie: Die kleinen und großen Neuanfänge, die unser Leben prägen. An jedem Morgen, wenn wir aufstehen, beginnt ein neuer Tag. Die Zeichen stehen auf Neuanfang, wenn wir umziehen. Wir müssen uns neu orientieren. Neue Ärzte, Freundschaften, Nachbarn... Wenn wir die Arbeitsstelle wechseln, wenn langjährige Kollegen in Rente gehen, wenn geliebte Menschen sterben und wir unser Leben ganz neu einrichten müssen – immer wieder neu anfangen.

Als wir Kinder und Jugendliche waren, haben wir mit unseren Familien die neuen Anfänge ganz groß gefeiert: Einschulung, Konfirmation, Berufseinstieg. Wir bekamen Schultüten und Schulranzen, neue Stifte und Mappen, tolle Geschenke, unser erstes Gehalt. Das waren feierliche Augenblicke und sie waren bedeutsam. Jeder dieser Neuanfänge hat tatsächlich das Leben mitsamt dem Freundeskreis und den Lebensaufgaben verändert.

Aber auch jetzt, wenn wir längst erwachsen sind oder alt werden, ist unser Leben noch immer davon geprägt, dass wir neu anfangen. Morgens, mittags, abends, montags; auch mitten in der Woche und mitten im Jahr. Eine Siebzigjährige entdeckt, dass sie gut malen kann. Das Malen entspannt sie und sie freut sich, wenn die Bilder anderen gefallen. Eine junge Frau nimmt sich vor, jeden Tagebucheintrag zu beginnen mit dem Satz: „Heute habe ich zum ersten Mal...“ Spannend, denke ich. Was habe ich denn noch nie gemacht? Was will ich mal ausprobieren?

John F. Kennedy sagte 1961 bei seiner Antrittsrede zum Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika: „Let us begin anew – lasst uns noch einmal von vorne beginnen!“ Unser ganzes Leben besteht aus täglichen Anfängen, manche gewollt, viele ungewollt. Ein alter Mann ist Witwer geworden und braucht einen Plan, um nicht in der Trauer zu versinken. Er beschließt, dass er mit 82 Jahren einen Marathon laufen wird. Große und kleine Neuanfänge prägen unser Leben und sie verändern unsere Sicht auf die Dinge.

Im Buch des Propheten Jesaja heißt es:

„Gott spricht: Von nun an lasse ich dich Neues hören und Verborgenes, das du nicht wusstest.“

Wir Menschen sollen etwas Neues hören, so heißt es bei Jesaja. Gott sagt nicht, dass er etwas bahnbrechend Anderes sagen wird, als in den Jahrhunderten zuvor. Er verkündet zwar seine alte Botschaft, aber er verpackt sie immer wieder neu. So machen es auch gute Pädagogen, um ihren Stoff an das Kind zu bringen. Man könnte sagen, auch hier geht es immer wieder um einen Neuanfang, eine neue Methode. Und plötzlich fällt mir eine Gottesbotschaft direkt ins Herz oder sie berührt meinen Verstand. Vielleicht stelle ich alte Wahrheiten in Frage und beginne zu grübeln.

„Von nun an lasse ich dich Neues hören und Verborgenes, das du nicht wusstest.“

Das Wochenende ist vorbei. Es ist Montag. Wir fangen neu an. Auch Gott fängt neu an. Und er lässt uns Neues hören. Immer wieder. Einen guten Start in die neue Woche wünscht Ihnen, Pfarrer Bernd Becker aus Bielefeld.

 

Audiobeitrag Montag


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