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Alles nach Plan?
Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer, es ist Samstagnachmittag. Gleich wird in der kleinen Kirche der Traugottesdienst beginnen.
Die Festgemeinde hat bereits ihre Plätze eingenommen. Ich warte gemeinsam mit dem Brautpaar vor der Kirche auf den Organisten. Braut und Bräutigam ist die Spannung anzusehen. Sie haben den Gottesdienst und das anschließende Hochzeitsfest bis ins Detail geplant; eigentlich kann jetzt nichts mehr schief gehen. Eigentlich
Der Organist lässt auf sich warten. Längst ist der Zeitpunkt vorüber, zu dem der Gottesdienst beginnen sollte. Später wird sich herausstellen, dass der Musiker an einer anderen Kirche wartet und sich seinerseits über das Fehlen von Brautpaar, Pfarrer und Gemeinde wundert. Die Braut wird immer unruhiger, dann fließen Tränen: Wir haben doch alles so genau geplant!
Schließlich führe ich das Brautpaar unter dem Geläut der Glocke in die Kirche und begrüße die Gemeinde: Sie haben gemerkt, dass niemand auf der Orgelbank sitzt. Hoffen wir, dass dem Organisten nichts zugestoßen ist. Wer von Ihnen kann denn die Lieder auf der Orgel begleiten? Als niemand sich meldet, fahre ich fort: Gut, da jeder und jede von Ihnen ein Instrument mitgebracht hat, dürfte es keine Probleme geben. Verwundert schauen die Leute mich an. Ja, wir haben alle eine Stimme. Wenn wir die jetzt kräftig erklingen lassen, dann wird sich das gut anhören. Also: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren! Kaum je zuvor habe ich eine Hochzeitsgemeinde so kräftig singen hören. Die meisten Gäste sind das nicht gewöhnt, aber alle begreifen: Jetzt kommt es darauf an, dass jeder mitmacht. Schon nach der ersten Strophe spüren alle, wie die Anspannung nachlässt und fröhlicher Gelassenheit weicht.
Auch die anderen Lieder können sich hören lassen. Als der Gottesdienst zu Ende ist, führe ich das Brautpaar unter dem Geläut der Glocke aus der Kirche. Längst sind die Tränen der Braut getrocknet und sie seufzt erleichtert: Jetzt war der Traugottesdienst noch schöner, als wenn alles nach Plan gelaufen wäre.
Die meisten Paare planen ihre Hochzeit sehr genau. Am schönsten Tag des Lebens soll nichts schief gehen. Manche lassen sich beraten von so genannten Wedding-Planern, Hochzeitsplanern. Es gibt Menschen, die nicht nur ihre Hochzeit planen, sondern ihr ganzes Leben. Schon früh kümmern sie sich um die Karriereplanung und die Familienplanung, und auch dafür gibt es Beratung. Gewiss, ohne Planung geht es nicht, bei einer Hochzeit nicht und im Leben schon gar nicht. Aber Planung ist nicht alles. Wenn ein Hochzeitsfest glückt oder gar ein Leben gelingt, dann ist das meist nicht perfekter Planung zu verdanken. Entscheidend ist das Unvorhergesehene, das keiner planen kann: Zum Beispiel, eine neue große Liebe drei Jahre nach der Trennung. Oder die Geburt eines Kindes, obwohl die Mutter die vierzig schon überschritten hat. Oder eben, dass im Traugottesdienst der Organist fehlt. Manchmal erweist sich das Unvorhergesehene als großes Geschenk
Es ist gut, sich für Unvorhergesehenes offen zu halten. Daran erinnert ein weiser Mensch, dessen Worte in der Bibel aufgeschrieben sind: Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der HERR allein lenkt seinen Schritt. Gott lenkt unseren Schritt. Deshalb müssen unsere Planungen nicht lückenlos und perfekt sein und deshalb sind Planungspannen nicht gleich eine Katastrophe.
Dass Sie auf dem Weg durch diesen Tag unverhoffte Glücksmomente erleben, das wünscht Ihnen Ihr Martin Dutzmann aus Berlin
Alles nach Plan?
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