Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.11.05, 5.56 Uhr, Jost Klausmeier- Saß

Ironic

Ein Arbeitskollege erzählt mir in der Frühstückspause seine letzte Katastrophe: Monatelang hat er sich auf die Herbstferien und den Urlaub in der Sonne

da verletzt er sich am Tag vor der Abreise beim Heimwerken so sehr, dass er die 14 Tage nicht am Strand, sondern im Krankenhaus verbringt.

Musik:
It’ s like rain on your wedding day
It’ s a free ride when you’ve already paid
It’s a good advice, that you just didn’t take
Who would have thought, it figures

Sprecherin:
Regen am Hochzeitstag
Eine Freifahrt gewonnen, wenn man schon die Fahrkarte gekauft hat
Ein guter Hinweis, den man nicht befolgt hat – und der genau der Richtige gewesen wäre.

Musik:
Isn’nt it ironic? – Don’t you think? A little too ironic?

Autor:
Unser Leben - eine Aneinanderreihung von Ironien des Schicksals?
Voller Widrigkeiten, Unwägbarkeiten, kleiner und großer Katastrophen?

Nur in der Werbung ist die Welt perfekt. Wir aber leben woanders.
Ständig müssen wir uns damit herumschlagen, dass unsere Pläne nicht umzusetzen sind.
Dass uns was „dazwischenkommt“.
Dass das Gegenteil dessen eintritt, was wir uns gewünscht haben.
„Hätte ich doch bloß...“ wie oft sagen wir uns diesen Satz?
„Hätte man  damit rechnen können?“ Wie oft fragen wir uns das?

Wir nennen es Ironie des Schicksals oder Widrigkeit des Alltags und manchmal nennen wir es unsere eigene Dummheit.
Wie auch immer: wir müssen damit leben, dass wir unser Leben nicht beherrschen.
Mag man auch noch so gut planen. Oder sich absichern und versichern.
Unser Leben bleibt eine bunte Mischung aus Ordnung und Chaos, Gelingen und Scheitern, Freude und Enttäuschung.
So oder so ähnlich - und meistens irgendwie dazwischen - leben wir alle Tage.

Das Kunststück dabei: nicht mürbe werden durch Rückschläge.
An den Ironien des Schicksals nicht verzweifeln.
Nicht bitter werden über Enttäuschungen und dunkle Erfahrungen.

 Wie das gehen soll?
Aus der Bibel wird mir eine Lebenshaltung überliefert, die mir gut gefällt, weil sie hilft, meinen Alltag auszuhalten. Oder zu bewältigen. Oder bestenfalls zu genießen.

Sprecherin:
„Iss freudig dein Brot und trink vergnügt deinen Wein: denn das, was du damit tust, hat Gott gut geheißen, lange vor deiner Zeit.
Trag jederzeit frische Kleider, mit einem Menschen, den du liebst, genieß das Leben, alle Tage deines flüchtigen Daseins, die dir unter der Sonne geschenkt sind. Das ist dein Teil am Leben, wofür du dich abmühst unter der Sonne.“

Autor:
Also: Nach Möglichkeit das Leben genießen, gerade auch die kleinen Dinge.
Das Selbstverständliche wenig selbstverständlich finden und vor allem: - Lieben.

Der Rest, so merke ich oft, ergibt sich dann.
Oder lässt sich, wenn’s anstrengend wird im Alltag, zumindest aushalten.
Die Bibel empfiehlt: Wir sollen uns vom alltäglichen Chaos, von den Ironien des Schicksals nicht irre oder gar bitter machen lassen.

Sondern lieben, Menschen und das Leben, bewusst das Schöne genießen und daraus die Kraft ziehen, die kleinen und großen ironischen und bitteren Rückschläge des Alltags auszuhalten.
„Mit einem Menschen, den du liebst, genieß das Leben, alle Tage deines flüchtigen Daseins, die dir unter der Sonne geschenkt sind.“

Audiobeitrag Ironic


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