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Gottlieb August Spangenberg
Guten Morgen, liebe Hörerin und lieber Hörer. Am Anfang seines Lebens stehen viele Fragezeichen:
Gottlieb August Spangenberg wird als jüngster von vier Brüdern in einem Pfarrhaus im Harz geboren. Seine Eltern sterben, als er zehn Jahre alt ist. Und da sind sie, die Fragen: Wo wird er bleiben können? Wo ist sein Zuhause? Diese Fragen werden ihn auch als Studenten weiter begleiten. Es ist das Jahr 1722. Gottlieb studiert in Jena und kommt in Kontakt mit den Franckeschen Stiftungen in Halle an der Saale. Hier werden junge Männer zu treuen und frommen protestantischen Staatsdienern ausgebildet, zumindest ist dies das erklärte Ziel dieser großen Erziehungseinrichtung.
In seinem frommen Umfeld lernt er einen Mann kennen, der ihn wie ein Vater prägen wird, Nikolaus Graf von Zinzendorf. Graf Zinzendorf wendet sich ihm zu. Mit seiner gefühlsbetonten Jesusfrömmigkeit erreicht er die Herzen der Menschen und so auch das des Waisen Gottlieb Spangenberg. Vor allem bietet Zinzendorf Flüchtlingen Platz auf seinen Gütern in der Oberlausitz; Flüchtlingen, die wegen ihres evangelischen Glaubens ihre Heimat verlassen mussten. So entsteht nach und nach an dem Grenzgebiet zum heutigen Tschechien eine christliche Gemeinschaft, die von den Ideen und dem Stil des Grafen Zinzendorf geprägt wird die Herrnhuter Brüdergemeine. Gottlieb Spangenberg wird von dieser Gemeinschaft magisch angezogen. Aber es ist nicht ungefährlich, sich zu ihr zu bekennen. Die Herrnhuter sind nicht nur den Staatsoberen, sondern auch den evangelischen staatstreuen Pietisten in Halle ein Dorn im Auge, wo Spangenberg in der Zischenzeit eine feste Anstellung als Lehrer gefunden hat.
Doch Spangenberg lässt es zum Bruch mit den pietistischen Kreisen in Halle kommen und siedelt schließlich um in die Oberlausitz zur Herrnhuter Brüdergemeine. Dort erkennt man schnell: Gottlieb Spangenberg hat organisatorisches Talent und ein ausgleichendes Wesen. Er wird mit anderen Herrnhutern auf die Reise nach Amerika geschickt. Spangenberg und die Herrnhuter verbindet: Sie alle sind heimatlos geworden und wollen sich in der Neuen Welt etwas Neues aufbauen. Zu seinen Aufgaben dort gehört die so genannte Indianermission. Mit ihr setzen sich die Herrnhuter von den anderen christlichen Siedlern ab. Die christliche Mehrheitsgesellschaft in Amerika hält die so genannten wilden Indianerhorden nicht für würdig, den christlichen Glauben kennenzulernen. Aber Spangenberg vermittelt, versucht Verständnis für seine Haltungen und Arbeit zu gewinnen. Zudem entstehen unter seiner Leitung Siedlungen in Georgia und in Pennsylvenia, die nach den biblischen Städten Bethlehem und Nazareth benannt werden. Das Besondere dieser christlichen Siedlungen: Alle Mitglieder zahlen die erwirtschafteten Gewinne in eine Haushaltskasse ein, die gemeinsam geführt wird. So können die Bedürfnisse aller befriedigt werden ganz nach dem Vorbild der ersten Christengemeinde. Von deren Mitgliedern wird in der Bibel berichtet, dass sie alle Güter gemein hatte(n)... und sie teilten untereinander aus, je nachdem es einer nötig hatte.(Apostelgeschichte 2,44+45) Natürlich erregte solch eine Lebensweise die Gemüter; ein preußischer Staat lässt sich auf solch eine Weise nicht regieren Spangenberg muss deshalb seine Arbeit in Deutschland immer wieder verteidigen. Dazu kehrt er wiederholt in seine Herrnhuter Gemeine zurück und berichtet von der Aufbauarbeit in der Neuen Welt. Am 18. September 1792 stirbt Spangenberg in Berthelsdorf in der der Oberlausitz. Er glaubte zeitlebens daran, dass er dann endgültig zuhause angekommen sein wird - bei Gott.
Ich wünsche Ihnen, liebe Hörerin und lieber Hörer, dass auch Sie auf Ihrer Lebensreise, in Ihrem Alltag, bei Gott ankommen. Trotz all der verworrenen Lebenswege, den Auseinandersetzungen mit unbekannten Welten. Mithilfe von Vorbildern, mit Lebensgefährtinnen und Lebensgefährten. Wie Gottlieb August Spangenberg.
Ihr Pfarrer Eberhard Helling, aus Lübbecke.
Gottlieb August Spangenberg
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