Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.09.13; Pfarrer Eberhard Helling

Johann Heinrich Bullinger

Guten Morgen, liebe Hörerin und lieber Hörer. Er sieht ganz anders aus, als sein Name vermuten lässt. Heinrich Bullinger hat so gar nichts Bulliges an sich – im Gegenteil:

Er ist ein schmächtiger Mann. Nahezu ausgezehrt wirkt er auf den Bildern, die bis heute von ihm erhalten sind. Heinrich Bullinger war Theologe und ein Schüler von Martin Luther, dem bedeutenden Reformator der Kirche. Im Gegensatz zu Bullinger gibt es von Martin Luther viele verschiedene Bilder: Luther als junger Professor, Luther als schlanker Mönch, Luther als Junker Jörg, schließlich Luther als behäbiger, gesetzter Mann.

Von Heinrich Bullinger kenne ich nur eine Darstellung: Bullinger als hagerer Mann mit vollem Bart im Gelehrtengewand seiner Zeit. Er macht auf mich einen strengen und zugleich gütigen Eindruck. Sein Weg beginnt unter schwierigen Bedingungen. 1504 wird er als uneheliches Kind eines katholischen Priesters im schweizerischen Bremgarten geboren. Wie das wohl ist, mit dem Gefühl aufzuwachsen: Eigentlich darf es mich gar nicht geben...?! Ich, das Kind eines katholischen Priesters und seiner Geliebten?

Der junge Heinrich geht zunächst in seiner Heimatstadt zur Schule und kommt als Student nach Köln. Hier lernt er die Schriften von Martin Luther und Philipp Melanchthon kennen. Für die Studenten der Generation von Heinrich Bullinger sind das richtige Befreiungsschriften. Der christliche Glaube sagt den Studenten: Du bist gewollt, von Gott – und nichts und niemand hat das Recht, diesen schöpferischen Willen Gottes in Zweifel zu ziehen oder Bedingungen zu stellen.

Der Priestersohn muss sich für seine Herkunft nicht mehr schämen. Das setzt Kräfte frei. Mit einer großen Energie kehrt Bullinger aus Köln in seine Heimat zurück. Hier kann er schon recht bald viele andere und sogar seinen Vater für seine neuen Einsichten gewinnen. Er wird zu einem wichtigen Wegbereiter der Reformation in der Schweiz - und weit darüber hinaus. In einem ausführlichen Bekenntnis hat Bullinger seinen Glauben zusammengefasst: „Dieser Glaube ist und heißt lebendig, weil er Christus erfasst, der das Leben ist und das Leben schafft, und sich in lebendigen Werken als lebendig erweist.“1

Um das Leben selbst geht es Heinrich Bullinger und um einen Glauben, der lebendig bleibt. Das ist von Geburt an sein Lebensthema. Und so kümmert sich Bullinger um Flüchtlinge. Das sind in seiner Zeit vor allem Leute, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Diese Flüchtlinge kommen aus England, Holland, Ungarn. Eine Zeitlang bleiben sie bei Bullinger im Haus, lernen von ihm und können sich erholen. Sobald sie wieder in ihre Heimat zurückkehren, berichten sie dort von von dem gastfreundlichen Pfarrer Heinrich Bullinger und seinem Glauben.

Dass Heinrich Bullingers Name gerade heute im Evangelischen Namenskalender steht und wir damit an ihn erinnert werden, passt mit einem anderen Ereignis zusammen: Heute ist der 22. Jahrestag der Übergriffe von Neonazis auf ein Flüchtlings– und Arbeiterheim in Hoyerswerda. Am 17. September 1991 beginnt in unserem Land eine von vielen bis dahin nicht für möglich gehaltene Hatz auf Asylbewerber und Arbeitsmigranten. Sie setzt sich 1991 in Rostock und anderen Städten fort. Viele, zu viele haben zugeschaut. Nach einer ersten Schockstarre kam etwas Bewegung in unsere Gesellschaft, aber eine tiefe Verunsicherung ist geblieben. Diese Verunsicherung hält bis heute an – die Serie von ungeheuren Pleiten und Blindheiten um die sogenannten NSU-Morde oder die Angriffe auf die Asylbewerber in Hellersdorf mögen dafür ein Beleg sein.
Heinrich Bullinger hingegen hat verunsicherten Menschen geholfen - mit seinem Glauben hat er ihnen gute Gedanken mitgegeben, die Halt und Orientierung in der Fremde boten. Ganz praktisch: mit seiner Gastfreundschaft.

Glauben mutig leben und für andere Freiräume zum Leben schaffen – das wäre ein gutes Ziel für diesen Tag, meint Pfarrer Eberhard Helling aus Lübbecke.

1 http://www.theology.de/downloads/1566zweiteshelvetischesbekenntnis.doc, S.21.

 

Audiobeitrag Johann Heinrich Bullinger


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