Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.09.13; Pfarrer Eberhard Helling

Kasper Tauber

Guten Morgen, liebe Hörerin und lieber Hörer. Er hat heute Namenstag. Aber nicht den katholischen.

Nein, er steht heute im Namenskalender der Evangelischen Kirche: Kasper Tauber. Kennen Sie nicht?

Kasper Tauber ist Österreicher, Wiener. Zumindest in den wichtigen Jahren seines Lebens. Geboren ist er in Brünn, Tschechien. Doch in seiner Geburtsstadt kann er sich nicht so entwickeln, wie er das vor hat. Und so geht er nach Wien. 1519 wird er in den Wiener Stadtschriften als wohlhabender Tuchhändler genannt. Zwei Jahre später gehört er zu den 200 angesehenen Bürgern der Stadt, die mit besonderen Aufgaben in der Stadtregierung betraut werden.

Ob Kasper Tauber wusste, dass er eine biblische Vorgängerin hat? Lydia heißt sie. Auch sie handelte mit kostbaren Stoffen – mit Purpur. Und auch sie hatte eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte in einer großen Stadt hinter sich, in Philippi – und dann ergibt sich bei ihr etwas Neues, Unerwartetes: Von dem Apostel Paulus hört sie die Geschichten von Jesus aus Nazareth und fühlt sich so davon angesprochen, dass sie sich für diesen Glauben interessiert, ja, sich dafür entscheidet. Lydia ist die erste Christin auf europäischem Boden.

Gut 1400 Jahre später: Kasper Tauber ergeht es ähnlich. Er ist er zwar anders als Lydia bereits in einem christlichen Umfeld groß geworden. Der christliche Glaube ist zu seiner Zeit schon seit vielen Jahrhunderten zu einer Selbstverständlichkeit geworden in Österreich. Dann aber hört er etwas, das ihn anrührt, umtreibt. Er liest die Schriften von Martin Luther. Und er liest die Bibel, die Luther ins Deutsche übersetzt hatte. Und am Ende wird der Kaufmann Kaspar Tauber selbst Schriftsteller. Allerdings verfasst er nur ein einziges Schriftstück. Zu mehr kommt er nicht. In diesem Schriftstück geht er mit seinem Umfeld, seiner Kirche sehr scharf ins Gericht: prangert Misstände an,besteht darauf, dass sich Verhältnisse ändern müssen.

In seiner Zeit, an seinem Ort ist das Ketzerei. Die wird damals mit dem Tod bestraft. Es sei denn, man sagte sich von den ketzerischen Gedanken und Taten los. Zunächst hat es den Anschein, als ob Kasper Tauber genau dies tun wird. Aber als er sich öffentlich von seiner „Ketzerei“ lossagen soll, da nimmt er für sich Freiheit in Anspruch – die Freiheit der Gewissensentscheidung, bei dem zu bleiben, was er für wahr und recht erkannt hat. Diese Freiheit kostet ihn das Leben.

Wenn der evangelische Namenskalender heute an diesen mutigen Katholiken erinnert, dann ist das für mich als Protestant überhaupt kein Anlass, hochmütig auf die katholische Kirche herabzublicken. Dafür gibt es in der Vergangenheit meiner Konfession immer wieder beschämende Beispiele, in der Protestanten genauso verheerend mit Katholiken und Humanisten umgegangen sind. Und es gibt bis heute Christinnen und Christen in allen Konfessionen, die den Mut haben, ihrem Gewissen zu folgen und dafür einschneidende Konsequenzen in Kauf nehmen. Die Glaubenserfahrung die dahinter steckt heißt: Ich bin ein freier Mensch, weil ich mich an Gott halte und weil Gott mich hält.

Ob ich nun Lydia oder Kasper Tauber heiße oder ob mein Name nie in einem Namenskalender stehen wird, das spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass Gott mich und dich kennt. Und uns aus dieser Gewissheit ein erstaunlicher Mut erwächst.

Ich wünsche Ihnen, liebe Hörerin und lieber Hörer, dass Ihnen heute Mut zuwächst. Gott kennt Sie und mich und deshalb können wir wie Kasper Tauber gegen Missstände aufstehen und wie Lydia neue Schritte wagen! Eberhard Helling, Pfarrer in Lübbecke.

 

Audiobeitrag Kasper Tauber


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